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Predigt über Mt 2,1-12 (Pfr. Dr. J. Kaiser) vom 10.01.2021

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1Da Jesus geboren war zu Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: 2Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, ihn anzubeten.

3Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem, 4und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte. 5Und sie sagten ihm: Zu Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten (Mi 5,1): 6»Und du, Bethlehem im Lande Juda, bist mitnichten die kleinste unter den Fürsten Judas; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.«

Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, 8und schickte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr’s findet, so sagt mir’s wieder, dass auch ich komme und es anbete. 9Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war. 10Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut 11und gingen in das Haus und sahen das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.

12Und da ihnen im Traum befohlen wurde, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem andern Weg wieder in ihr Land.

Die Geschichte von den drei Weisen aus dem Morgenland ist eine der schönsten Legenden der Bibel. Und gerade sie zeigt, dass nichts wahrer ist als biblische Legenden. Biblische Legenden erzählen nicht, wie es damals war. Sie erzählen, wie es immer ist. Sie öffnen uns die Augen. Nicht für die historische Wirklichkeit öffnen sie uns die Augen, denn die macht sich immer einen schlanken Fuß und lässt und mit der Frage zurück: Und was hat das mit uns heute zu tun?

Deshalb erspare ich uns heute gelehrte Informationen über Astrologie im alten Orient, über König Herodes und seine Macht und Ohnmacht und über die ersten Lebensjahre des Jesus von Nazareth.

Der Evangelist Matthäus will mit dieser Erzählung sagen: Das Leben des Heilands ist von Anfang an bedroht. Der König von Israel ahnt die Gefahr, die ihm von wahren König von Israel ausgeht. Aber kundige Heiden erkennen die Zeichen der Zeit. Denn der neue König Israels, dessen Stern am Horizont aufzieht, wird das Heil Israels zu den Heiden bringen. Und schließlich erhält der Erzähler auch einen Grund dafür, den neugeborenen Messias mit seiner Familie nach Ägypten fliehen zu lassen, denn in der Rückkehr aus Ägypten begibt sich dieser neue Messias in die Fußstapfen Moses.

Aber diese Legende sagt noch viel mehr. Sie erzählt die Wahrheit, sie sagt, wie es ist, wie es immer ist. Die Wahrheit einer biblischen Legende offenbart sich nicht beim Blick zurück. Sie offenbart sich beim Blick in die Gegenwart. Was da erzählt wird, haben wir oft erlebt und auch in dieser Woche aufs Neue und deutlicher denn je.

Herrscher, die nicht die Zeichen der Zeit erkennen. Mächtige, die nicht wahrhaben wollen, dass ihre Zeit zu Ende geht. Die dann in kindliche Panik verfallen und alles vergessen, was sie einmal geschworen haben und wofür sie da sind. Im Tunnelblick sehen sie nur noch sich und wähnen jedes Mittel recht, um sich an der Macht zu halten.

Es kommen autorisierte Menschen zu Herodes und sagen, dass ein König geboren wurde. Sie sagen also auch, dass die Zeit des Herodes abgelaufen ist.

Herodes ruft seine Berater zusammen: Was kann man tun? Was steht geschrieben? Was sagt das Gesetz?

Die Fachleute geben Auskunft und bestätigen, was die Kundigen angekündigt haben. Es steht geschrieben. Das Gesetz legt fest, wie die Dinge ablaufen. In Bethlehem in Judäa passiert es, so steht es geschrieben, dort soll er geboren werden.

In Georgia passiert es und in Pennsylvania. Dort haben sie Biden zum Sieg verholfen und demokratische Senatoren gewählt. Wie es das Gesetz vorschreibt, so haben sie gewählt.

»Und du, Bethlehem im Lande Juda, bist mitnichten die kleinste unter den Fürsten Judas; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.«

Delaware ist einer der kleinsten Bundesstaaten. Aus Delaware kommt Biden. Ich will nicht sagen, dass Biden der neue Christus ist. Aber eine Art Fürst, der sein wundgeschlagenes Volk weiden soll, das soll er schon sein.

***

Den Ort hat Herodes. Aber nun braucht er noch den Geburtstag des neuen Königs, um ihn identifizieren zu können. Er bittet die drei Weisen um Mithilfe. Sie sollen herausfinden, wann der neue Stern erschienen wäre. Dann könne auch er, Herodes, den neuen König anbeten. Dann könne es zu einer geordneten Amtsübergabe kommen. Das ist eine dreiste Lüge.

Doch wir wissen, was Herodes im Schilde führt. Keineswegs hat er vor, dem neuen König zu huldigen. Er will ihn beseitigen lassen kann. Jedes Mittel ist ihm recht, um seine Macht zu erhalten. So gingen die drei Weisen nach Bethlehem und huldigten dem neugeborenen König, brachten ihm Weihrauch, Gold und Myrrhe.

So kamen auch die Wahlmänner aus allen Bundesstaaten nach Washington D.C. und wählten Joe Biden zum Präsidenten und Kamala Harris zur Vizepräsidentin. Und nach und nach gratulierten und huldigten die Staatschefs aller Herren Länder dem neugewählten Präsidenten.

Doch der böse Plan des irren Herodes ging nicht auf. Die drei Weisen kehrten nicht zurück nach Jerusalem, um ihm zu verraten, wo der neugeborene König zu finden sei. Sie hatten eine Ahnung, sie hatten einen Traum, dass das nicht gut sei.

Der republikanische Innenminister von Georgia trieb für Trump nicht 11.000 Stimmen auf. Er ahnte, dass das nicht gut wäre. Er hätte sie ja fälschen müssen. Der Vizepräsident tat auch nicht mehr, was Trump erwartete, der Sicherheitsberater trat zurück, mehrere Ministerinnen, der republikanische Mehrheitsführer rief dazu auf, die Wahl von Biden anzuerkennen, die Richter des obersten Gerichts, auch die, die Trump eingesetzt hatten, wiesen alle Klagen ab.

Alle hatten eine Ahnung, dass alles andere nicht gut wäre. Vielleicht hatten manche von ihnen einen Traum. Vielleicht wurde manchen von ihnen klar, dass es Gott war, der in ihr Gewissen rief.

Gott hält sich an das, was geschrieben steht. Er hält die Zeit in seinen Händen und auch das, was in der Zeit von Zeit zu Zeit passiert.

***

„It isn‘t over“ stand auf dem selbstgebastelten Plakat, das ein Kapitolstürmer hinter dem ZDF-Washington-Korrespondenten am Mittwoch in die Kamera hielt. „It isn‘t over“ – Es ist noch nicht vorbei.

Noch 10 Tage ist der Wahnsinnige vom Weißen Haus Präsident. Wird es danach vorbei sein?

Jesus, der neugeborene König, wurde in Sicherheit gebracht. Ausgerechnet nach Ägypten. Wieder eine Ahnung, wieder ein Traum. Diesmal dachte Josef, es sei wohl besser, zu verschwinden. Bleib in Ägypten, bis Herodes tot ist. Und dann kommt aus Ägypten. Denn es steht geschrieben: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen. (Hos 11,1)

„It isn‘t over“ Es war noch nicht vorbei. Damals!

Als Herodes nun sah, dass er von den Weisen betrogen war, wurde er sehr zornig und schickte aus und ließ alle Knaben in Bethlehem töten und in der ganzen Gegend (Mt 2,16)

Wann wird es je vorbei sein?

Biblische Legenden erzählen nicht, wie es damals war. Wahrscheinlich war es gar nicht so. Biblische Legenden erzählen, wie es immer ist. Sie erzählen die Wahrheit. Aber diese Wahrheit wird nicht nur getragen von dem, was unsere Augen sehen und unsere Ohren hören. Sie wird auch getragen von dem, was wir glauben und was wir hoffen.

Gott lässt Sterne am Firmament erstrahlen und Gott lässt Menschen in dieser Welt geboren werden, die ein Gewissen haben, dass sie tun, was Recht ist vor Gott und den Menschen. Von solchen Menschen aber gibt es – Gott sei Dank! - so viele wie Sterne am Himmel.

Amen.

Fürbitten

Gott, du Licht der Welt,

du hast deinen Sohn Jesus Christus in seiner Kindheit bewahrt vor aller Gefahr und der Niedertracht der Menschen.

So bitten wir dich heute für alle Kinder in der Welt, deren Leben bedroht ist durch die Machtkämpfe der Erwachsenen, durch Krieg und Bürgerkrieg, durch Flucht und Vertreibung: Lass deinen Stern leuchten über ihnen und halte deine Hände über sie.

Sorge du für verantwortungsvolle Politiker, ehrliche Verwaltungen, gerechte Gerichte, gute Schulen, die Achtung der Menschenrechte und die Unterstützung der Schwachen und hilf uns, dir dabei zu helfen.

Lass deinen Stern über denen aufgehen, die Dunkelheit in ihrem Leben erfahren, über den Kranken und über den Sterbenden, über den Enttäuschten und über den Verbitterten, über allen, die sich selbst im Wege stehen und ihre Hoffnungen begraben haben.

Lass deinen Stern auch in unserem Leben aufgehen, damit wir erfahren, dass unsere Suche keine Irrfahrt ist, sondern ein Heimweg zu dir. Zeige uns im neuen Jahr, wo wir dich finden können, wo du uns nahe kommst. Amen.