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Monatsspruch für Mai vom 01.05.2020

Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat! (1. Petr 4,2)

In den Tagesthemen - ich schaue sie fast jeden Abend - bringen sie seit Ausbruch der Krise jeden Abend vorm Wetter eine kleine Mutmachreportage. Sie nennen das: „Helden des Alltags“. Vorgestellt werden Menschen, die jetzt besonders gefordert sind. Eine Krankenschwester war natürlich zuerst dran. Dann ein Supermarktsleiter und Hüter der Klopapierbestände, ein Busfahrer, ein Altenpfleger, eine Jugendamtsmitarbeiterin, eine Polizistin, kurz vor Ostern sogar eine Pfarrerin. Viele davon machen ja einfach nur ihren Job (der Busfahrer, die Pfarrerin), einige jedoch unter erschwerten Bedingungen. Es werden aber auch Menschen vorgestellt, die sich jetzt besonders gefordert fühlen und etwas Besonderes machen, Menschen, die ihrem normalen Job gerade nicht nachgehen können, weil sie auf Kurzarbeit sind oder die Schule oder die Uni geschlossen hat. Sie machen kurzentschlossen etwas anderes. Vor allem junge Menschen, Schüler und Studierende, fahren mit ihrem Fahrrad Lebensmittel an ältere Menschen aus, helfen im Supermarkt aus oder bei der Spargelernte. Firmen stellen ihre Produktion um, produzieren Atemschutzmasken oder Beatmungsgeräte. Viele werden in dieser Krise kreativ, erfinderisch und engagiert im Helfen. Es geht gerade eine Solidaritätswelle rund um den Globus.
„Dient einander, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat!“ Genau das geschieht. Es brauchte gar keine Ermahnung, nicht von der Kirche, nicht von der Regierung. Keine Pfarrerin und kein Politiker musste das sagen. Es geschah einfach. Der Impuls kam vom innen. Die, die das, was sie gut können, jetzt machen, um anderen zu helfen, die würden nicht sagen, dass sie „dienen“. Und schon gar nicht würden sie sich „als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes“ begreifen. Aber das müssen sie auch nicht. Wichtig ist, dass wir es begreifen. Wir erkennen, dass Gottes Gnade tatsächlich sehr vielfältig waltet, nicht nur in und durch die Kirchen, nicht nur bei denen und durch die, die glauben, sondern auch in und durch Menschen, denen dieser gnädige Gott fremd ist. Wir sind nicht die Einzigen, die Gottes Gnade mit ihren Gaben und Taten bezeugen und „verwalten“. Gott beschränkt die Verwaltung seiner Gnade nicht auf die Kirche. Er spielt sich in die ganze Welt hinein, auch inkognito. Ich finde das beruhigend und entlastend. Christen haben keinen Vorzug bei den Gaben, die Gott uns schenkt. Sie haben nur den Vorzug, dass sie erkennen, dass das alles Gottes Gaben sind, in denen seine Gnade sich in der Welt Bahn schafft. Weil sie das erkennen, können sie ihn loben. Jürgen Kaiser