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Monatsspruch für März vom 01.03.2020

Jesus Christus spricht: Wachet. (Markus 13,37)

Ja, wir müssen wachsam sein. Wir dürfen die Augen nicht verschließen vor dem, was gerade um uns geschieht. Rassisten erschießen unschuldige Menschen, rechte Gewalt und wüste Verschwörungstheorien greifen um sich und werden alltäglich in unserem Land. Das macht mir Sorge.
Mit dem Aufruf zur Wachsamkeit schließt in den Evangelien ein Abschnitt, in dem apokalyptische Worte gesammelt sind. Es wird vor Verfolgungen und Verwüstungen gewarnt, vor falschen Messiassen und Propheten und vor ungewöhnlichen kosmischen Phänomenen: „In jenen Tagen, nach jener Bedrängnis, wird die Sonne sich verfinstern, und der Mond seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Mächte im Himmel werden erschüttert werden.“ (Mk 13,24f) Wenn all das passiert, sei das Ende nahe. Weil aber Tag und Stunde niemand außer Gott kenne, solle man wachsam sein.
Ich bin kein Freund von Apokalyptik. Schon gar nicht in diesen Zeiten des medialen Alarmismus. Wer dafür anfällig ist, könnte aus den Schlagzeilen weniger Tage den bevorstehenden Weltuntergang herauslesen: eine biblische Heuschreckenplage in Ostafrika, ein unheimliches Virus in China, verheerende Brände in Australien, Stürme in Europa, ein von Faschisten gewählter Ministerpräsident und ein falscher Messias in Washington. Dazu jeden Tag ein Temperatur-, Wind- oder Regenrekord im Wetterbericht und freitags Schülerproteste gegen das befürchtete baldige Aus allen Lebens auf diesem Planeten.
Vielleicht muss man den Aufruf zur Wachsamkeit in diesen Tagen dahin deuten, sich angesichts der vielen alarmierenden Meldungen einen klaren Verstand und kühlen Kopf zu bewahren: „Seid wachsam! Lasst euch nicht verrückt machen! All das ist noch nicht das Ende der Welt!“
Nüchtern betrachtet muss man doch feststellen: Noch nie war die Menschheit so gut darin, Probleme zu erkennen und zu lösen, Fehlentwicklungen zu benennen und gegenzusteuern. Wir leben in einer wachsamen Gesellschaft. Sowohl die Zivilgesellschaft wie auch die Medien merken es, wenn etwas schief läuft. Wir müssen wachsam bleiben, doch ohne in Hysterie oder Panik zu verfallen. Nüchtern bleiben und wachen, dann bewältigen wir die Krisen, die Klimakrise ebenso wie die Krise durch rechte Gewalt und Terror. So schnell geht die Welt nicht unter. Jürgen Kaiser