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Monatsspruch für Juli vom 01.07.2020

Der Engel des Herrn rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir. (1. Kön 19,7)

Der Weg durch ein Jahr, das uns allen in Erinnerung bleiben wird, ist zur Hälfte gegangen. Jetzt im Sommer und dann im Herbst werden wir weitere Schritte heraus tun aus dem, was unser öffentliches und berufliches Leben dürr werden ließ, viele in die Einsamkeit führte oder ihre Einsamkeit fühlen ließ. Ein langer Weg zurück aus der pandemischen Wüste, ein Weg, der Kräfte zehrt, auch weil wir nicht genau wissen, wohin es gehen wird. Wir werden uns wohl wiederfinden in einem Leben, das auch unbekannt und ungewohnt ist. Wir werden uns in fremdem Terrain einrichten müssen. Bis dahin sind wir unterwegs. Hungrig und durstig sollten wir nicht losgehen.
Feindschaft, tückisch und unsichtbar wie ein Virus, ist über Elia hereingebrochen und führt ihn in eine Wüste, in der nur dornige Verzweiflung wächst und staubiger Selbstzweifel seinen Mund trocken werden lässt. Immerhin bietet nach einem langen Tag und vierzig Kilometern ein Wacholderbusch einen Ort der Ruhe. Wenn wir von äußeren Wegen ruhen, geht der Weg nach innen. Elia findet aber auch dort nur Wüste und den Wunsch zu sterben. In seiner Verzweiflung vertraut er sich dem freundlichen Bruder des Todes an, dem Schlaf. Und erfährt Stärkung durch den freundlichen Engel, der ihn berührt und versorgt mit dem Nötigsten: ein geröstetes Brot und ein Krug Wasser.
Mit dieser Erfahrung in Wüste und Traum kann Elia wieder weitergehen. Gott stärkt mich mit Brot und Wasser und dem Mut, den mein Weg mir abverlangt. Er tut das nicht nur einmal und ausnahmsweise. Dem Monatsspruch für Juli sieht man zunächst nicht an, dass er von einer Wiederholung erzählt – lesen Sie einmal die ganze Geschichte in 1.Könige 19,1-8. Vor der Stärkung für den langen Weg aus der Wüste der Verzweiflung hatte Elia den gleichen Traum, erträumte sich denselben Engel, aß und trank – und schlief zunächst wieder ein. Erst nach dem zweiten Traum, der zweiten Begegnung, dem zweiten Essen konnte er aufbrechen und „durch die Kraft der Speise“ vierzig Tage wandern – so wie Mose vierzig Tage auf dem Gottesberg war, um die Gebote zu empfangen und so wie Jesus vierzig Tage in der Wüste war, um sich über seinen Weg klar zu werden. Vierzig Tage, eine quarantaine, ist biblisch die Zeit, in der Menschen sich finden, sich klären, gestärkt zu den anderen zurückkehren.
Die Geschichte vom Engel berührt mich, wie der Engel Elia berührt. Ein Brot sehe ich und einen Krug Wasser und bin traumhaft sicher, dass ich den weiten Weg bestehen werde. Gehen Sie in diesen Wochen bestärkt Ihre Wege aus der Pandemie und aus dem Urlaub zurück zu den Menschen!
Karl Friedrich Ulrichs