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Gemeindeleitung

Die Französische Kirche hat sich 1791 in den Reglements eine Ordnung gegeben, die bis heute in Geltung ist. Die Reglements geben der Gemeinde eine Struktur und schreiben die relative Autonomie der Französischen Kirche innerhalb der Landeskirche (EKBO) fest. Das aus berufenen Gemeindemitgliedern (Anciens / Anciennes) und den Pfarrern zusammengesetzte Consistorium leitet die Französische Kirche. Das Consistorium kommt jeden zweiten Mittwoch im Monat zur Generalversammlung zusammen. In nicht öffentlicher Sitzung werden vor allem finanzielle und personelle Angelegenheiten beraten. Vier mal im Jahr kommt das Consistorium in öffentlicher Sitzung als Mittwochsconsistorium zusammen, um die Gemeindearbeit zu beraten und zu planen. Die Schwerpunktthemen des Mittwochsconsistoriums sind: Jahresplanung, Gottesdienst und Liturgie, Kinder-, Jugend- und Konfirmandenarbeit, Diakonie und Mitgliederpflege. In der Regel im September wird die Gemeindeversammlung einberufen. Sie nimmt Berichte entgegen und entscheidet über wesentlich Belange, die ihr vom Consistorium vorgelegt werden. Die zur Zeit 18 Mitglieder de Consistorium (Compagnie) werden für in der Regel 6 Jahre berufen, können aber wiederberufen werden. Die Pfarrer wechseln sich nach jeder Sitzung der Generalversammlung im Amt des Modérateurs ab, der mit dem von der Generalversammlung bestimmten Secrétaire die Geschäftsführung übernimmt. Secrétaire, Trésorier und der Secrétaire der Bau- und Finanzkommission überwachen die von der Landeskirche unabhängige Finanzverwaltung der Französischen Kirche. Die Arbeit der Generalversammlung wird von folgenden Kommissionen vor- und nachbereitet: Bau- und Finanzkommission, Kommission für das Gemeindeleben, Kirchhofskommission und Kommission für Museum, Bibliothek und Archiv.

Bericht aus dem Consistorium im Februar

Zuversichtlich und umsichtig durch die Pandemie
Haushalt 2021 beschlossen. Bericht aus dem Consistorium
Das Mittwochsconsistorium und die Generalversammlung haben am 27. Januar und 10. Februar in hybrider Form getagt, wobei viele Mitglieder von der Möglichkeit der Videokonferenz Gebrauch gemacht haben. Diejenigen, denen das nicht möglich ist oder die Bedenken wegen der Sicherheit des online-Formats haben, versammelten sich unter Beachtung der Hygieneregeln in Halensee.
Im Mittwochsconsistorium fiel die Rückschau auf die Veranstaltungen zum Ende des Kirchenjahres und zur Advents- und Weihnachtszeit recht positiv aus: Dass der Andacht zum Ewigkeitssonntag auf dem Kirchhof in der Wollankstraße ein Bläserkonzert mit Chorälen zum Gedenken an die Verstorbenen und die Hoffnung auf Auferstehung folgte, wurde sehr dankbar aufgenommen. Was ursprünglich als Begleitung für den Gang zu den Gräbern gedacht war, wurde zu einem Konzert vor der Trauerhalle, dass auch von einzelnen Bewohnern unserer Wohnanlage in der Wollankstraße mit Applaus quittiert wurde. Dagegen litt das gemütliche Zusammensein und gemeinsame Singen beim Advent uff’n Hof unter den sich verschlechternden Bedingungen der Pandemielage in Berlin. So konnte nur die Adventsandacht mit einem anschließenden Verkauf von Honig und Konfitüre vor dem Gemeindesaal stattfinden.
Großen Zuspruch hat die Andacht am Heiligen Abend auf dem Gendarmenmarkt gefunden. Gut 100 Teilnehmer haben dieses Angebot unserer Gemeinde unter widrigen Witterungsbedingungen nach Anmeldung und unter Einhaltung der AHA-Regeln dankbar wahrgenommen und die frohe Botschaft vom Kommen Gottes in die Welt anders und doch in Gemeinschaft gefeiert.
Der Weltgebetstag der Frauen ist als Präsenzveranstaltung im Garten der St. Michaelkirche am Engelsbecken geplant. Die Vorbereitenden hoffen sehr, dass auch hier Gemeinschaft erfahrbar bleibt und praktiziert werden kann. Der Gedenkgottesdienst zur Goldenen Konfirmation, welcher üblicherweise am Palmsonntag gefeiert wird, wird in diesem Jahr wegen der andauernden Beschränkungen am 19. September 2021 gefeiert werden.
Auch für die Gottesdienste zu Karfreitag und dem Osterfest hoffen wir sehr, dass sie in diesem Jahr in Halensee und St. Matthäus - auch mit Abendmahl - gefeiert werden können. Ob die Gemeinde angesichts der gegenwärtigen Entwicklung der Pandemie Präsenzgottesdienste verantworten könne, wurde kontrovers diskutiert. Für beide Positionen gibt es beachtliche Gründe. Mehrheitlich hat das Mittwochsconsistorium befunden, Präsenzgottesdienste unter Beachtung des landeskirchlichen Hygienerahmenkonzepts solange wie möglich anzubieten. Unsere beiden Pfarrer arbeiten gemeinsam mit Frau Dr. Weniger (Öffentlichkeitsarbeit) an der Verwirklichung eines regelmäßigen Onlineangebots.
Traditionelles Schwerpunktthema der Sitzung des Mittwochsconsistoriums war das Diaconat und hier insbesondere die diakonische Arbeit von Jutta Ebert. Sie schilderte im Einzelnen die besonderen Herausforderungen in Zeiten der Pandemie. Gott sei Dank ist es ihr möglich, unsere Gemeindemitglieder in Alten- und Pflegeheimen zu besuchen. Das bedarf einer Anmeldung und eines vorgeschalteten Antigen-Schnelltests. Es besteht auch die Möglichkeit zu gemeinsamen Spaziergängen. Neu hinzugetreten ist die Begleitung von betagten Gemeindegliedern zu den anberaumten Impfterminen. Die Arbeit von Frau Ebert verdient großen Dank, was vom Mittwochsconsistorium mit großem Applaus zum Ausdruck gebracht wurde.
Im Februar widmete sich die Generalversammlung ganz überwiegend dem Blick auf die finanzielle Situation unserer Gemeinde. Nach umfangreicher Vorbereitung durch den Trésorier Jens Altmann und die Finanzkommission konnte die Generalversammlung bereits ein Bild von dem positiven Verlauf des vergangenen Geschäftsjahres entgegennehmen. Dabei darf nicht außer Betracht gelassen werden, dass wegen der sich weiter verzögernden Fertigstellung der Baustelle Französischer Dom und der Übergabe der Räume von Hugenottenmuseum, Bibliothek, Archiv und der Büroräume ein Großteil der in diesem Zusammenhang geplanten Ausgaben im vergangenen Jahr nicht getätigt werden konnte. Sie sind auf das laufende Jahr verschoben.
Auf dieser Grundlage war es der Generalversammlung möglich, den Haushalt für das Jahr 2021 zu beschließen. Dass dies - anders als in früheren Jahren - zu diesem Zeitpunkt möglich war, verdankt die Generalversammlung dem enormen Arbeitseinsatz von Frau Putzas als unserer Buchhalterin und Jens Altmann als Trésorier.
Genaue Termine für die Wiedereröffnung des Museums und den Umzug der Gemeindeverwaltung gibt es bis zum Redaktionsschluss nicht. Als erfreuliches Zwischenergebnis ist zu vermelden, dass unser Partner Besondere Orte im Interessenbekundungsverfahren für die zur Vermietung anstehenden Räume im Französischen Dom und für die Aussichtsplattform den Zuschlag des Bezirks Mitte erhalten hat. Das gibt unseren Vorstellungen von „Evangelisch am Gendarmenmarkt“ eine hoffnungsvolle Perspektive.
Große Beruhigung ist es allen, dass Pasteur Foehrlé seine Schutzimpfung erhalten hat und Ende Februar nach Berlin zurückkehren konnte. Er wird seinen Dienst in der Communauté protestante francophone bis Ende Juni 2021 fortsetzen können. Frau Hornung konnte berichten, dass es bereits zwei Kandidaten für seine Nachfolge gibt, die sich demnächst vorstellen werden.
Schließlich hat die Generalversammlung die Aufnahme von Herrn Reinhard Mallon in unsere Gemeinde beschlossen. Ihm gilt unser herzliches Willkommen. Christoph Landré

Die Reglements der Französischen Kirche und ihre Überarbeitung


Nach mehrjährigen Vorarbeiten legt das Consistorium der Französischen Kirche zu Berlin der Gemeindeversammlung (früher: Familienhäupterversammlung) eine überarbeitete Fassung der Reglements vor. Es ist dies die erste grundlegende Überarbeitung seit der schriftlichen Fixierung der Reglements Ende des 18. Jahrhunderts.
Am 7. März 1791 hat die Familienhäupterversammlung Reglements für die Compagnie des Consistoriums der Französischen Kirche zu Berlin entgegengenommen. Schon 1778 hatte eine Commission begonnen, einzelne Ordnungen zu sammeln. Ab 1783 machte sich eine dreißigköpfige Commission ernsthaft an die Arbeit. Drei Jahre später wurde wieder eine nun etwas kleinere Commission gebildet, um noch die Punkte zu lösen, für die die vorherige Commission keine einvernehmliche Lösung finden konnte. Diese Arbeit zog sich bis 1791 hin.
In Anbetracht der langwierigen und nicht ganz glücklichen Geburtswehen kann man verstehen, dass in den folgenden Jahrhunderten bis heute notwendig erscheinende Änderungen an den Reglements nur vorsichtig vorgenommen wurden. Diese sind in der 1876 veröffentlichten deutschen Übersetzung der Reglements vermerkt worden, die inzwischen notwendig geworden war und den allgemeinen Sprachwechsel innerhalb der Gemeinde vom Französischen ins Deutsche dokumentiert. Änderungen nach 1876 wurden zwar protokolliert, nicht aber systematisch erfasst. In der überarbeiteten Fassung sind sie nach Möglichkeit berücksichtigt.
Obwohl die Französische Kirche zu Berlin im Lauf von über zwei Jahrhunderten alle ihre diakonischen und pädagogischen Institute abgeben oder schließen musste und obwohl sie ihre Beziehungen sowohl zur Evangelischen Kirche als auch zum Staat in seinen verschiedenen Gestalten (Monarchie und unterschiedliche Republikformen) jeweils neu regeln musste, hat sie es vermieden, die Reglements den neuen Gegebenheiten anzupassen.
Nicht in erster Linie deshalb, weil die meisten Reglements mit dem Verlust der sie betreffenden Einrichtungen obsolet geworden sind, sondern vor allem darum, weil einige der noch angewandten Reglements unklar oder schwer zu handhaben waren, wurde die jetzt vorgelegte Überarbeitung notwendig. So mussten z.B. schon vor einiger Zeit das Verfahren zur Berufung der Anciens und Anciennes in das Consistorium und die Richtlinien zur Pfarrwahl präzisiert werden. Pfarrer i.R. Tilman Hachfeld hat in mühevoller Kleinarbeit eine Rohfassung der Überarbeitung vorgelegt, die dann von einer Arbeitsgruppe des Consistoriums in drei Jahren durchgesehen wurde. Zu dieser Arbeitsgruppe gehörten außer Pfar-rer Tilman Hachfeld noch Pfarrerin Meike Waechter, Pfarrer Dr. Jürgen Kaiser, sowie die Anciens Herr Wolf-Rü-diger Bierbach (Secrétaire), Herr Daniel Er-man (Secrétaire des Diaconats) und zeitweise Frau Gisela Maresch-Zilesch und Frau Olga Venter-Mex.
In der nun vorliegenden Überarbeitung sind alle Passagen ausgelassen, die sich auf Institutionen der Französischen Kirche zu Berlin beziehen, die es nicht mehr gibt (Hospital, Kinderhospital, Waisenhaus, École de Charité, Hôtel de Refuge, Maison d'Orange, Collège, theologisches Seminar, Armenbäckerei, Marmite). Allein dies erklärt, warum die überarbeitete Fassung so viel kürzer ausfällt als die deutsche Fassung von 1876.
Für die noch bestehenden Leitungsgremien der Französischen Kirche zu Berlin (Gemeindeversammlung, Generalversammlung, Mittwochsconsistorium, Diaconat und Commissionen) wurden die Reglements in der Fassung von 1876 soweit als möglich übernommen. Aber auch hier mussten einzelne Bestimmungen, die nicht mehr im Gebrauch sind, weggelassen bzw. durch neue ersetzt werden. Außerdem stellt die Überarbeitung die Bestimmungen in einer anderen, heute einleuchtenderen Systematik zusammen: Zunächst werden die Gremien behandelt: Gemeindeversammlung, Generalversammlung, Mittwochsconsistorium und Diaconat. Dann folgen die Geschäftsordnungen, dann die Wahl- und Berufungsordnungen und die Reglements, die die finanziellen Angelegenheiten betreffen. Die Überarbeitung schließt mit allgemeinen Bestimmungen zum Schutz der Reglements.
Das Consistorium hat sich bewusst dafür entschieden, die alten Reglements nicht durch neue zu ersetzen, sondern sie durch eine Durchsicht und Überar-beitung an die heutigen Erfordernisse anzupassen. Dies geschah nicht nur im Hinblick darauf, dass die Reglements durch die Grundordnung der Ev. Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (Art. 37, Abs. 3) in ih-rem Bestand garantiert werden. Vor allem wurde diese Entscheidung von der Überzeugung geleitet, dass die alten Reglements nicht allein sinnvolle und bewährte Richtlinien enthalten, sondern auch die Grundsätze reformierten Gemeindeverständnisses, wie sie vor allem von Jean Calvin formuliert worden sind, in gelebte Praxis umsetzen. So nahmen von Anfang an die Ältesten in verschiedenen Ämtern kirchenleitende Aufgaben wahr. An keiner Stelle gehen die Reglements von einem Gegenüber von Pfarrer und Ältesten aus; vielmehr sind die Pastoren und Pastorinnen („Prediger“) in die Compagnie des Consistoriums integriert. Gerade dieser reformierte Geist der Reglements bestärkt uns in der Zuversicht, dass die Französische Kirche zu Berlin mit ihren „ehrwürdigen“ Reglements auch in Zukunft eine lebendige Gemeinde sein wird.
Die vorliegende Überarbeitung der Reglements ist also als eine Anpassung der bestehenden Reglements an die heutigen Gegebenheiten zu verstehen. Sie setzt kein neues Recht, sondern bewahrt den Geist und den Buchstaben der alten Reglements. Dies führt in der Überarbeitung zu einem Nebeneinander von alten und neuen Textabschnitten. Man wird dies beim Lesen am unterschiedlichen Stil erkennen. Die alten Passagen fallen durch ihre etwas umständliche Art auf, während die neueren am heute üblichen, nüchterneren Stil erkannt werden. Die stilistische Uneinheitlichkeit ist der Preis des Prinzips, so viel als möglich zu erhalten und nur so viel wie nötig zu erneuern.
Mit der Überarbeitung der alten Reglements drückt das Consistorium die Überzeugung aus, dass die Französische Kirche zu Berlin im lebendigen Umgang mit ihrem Erbe eine solide Basis für eine segensreiche Zukunft findet.  JK