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Bericht aus der Generalversammlung und von der Gemeindeversammlung

Dom stockt, Kirche im Plan
 
Ein Schwerpunkt sowohl in der Generalversammlung am 9. September als auch in der Gemeindeversammlung am 13. September waren die Berichte über die Bauarbeiten am Gendarmenmarkt.
Dass die Baustelle im Dom allen Beteiligten Sorge macht - sowohl dem Bezirksamt Mitte als Eigentümer und Bauherrn wie auch unserer Gemeinde als wesentlicher Dombewohnerin - wurde hier in den letzten Ausgaben mehrfach berichtet. Nach wie vor gestaltet sich die Fertigstellung der Baumaßnahmen sehr schwierig. Wenn ein Handwerker unzuverlässig ist, können auch die anderen ihre Gewerke nicht vollenden. Den Austausch säumiger Handwerker wagt man aber nicht, weil man dann eine noch längere Verzögerung befürchtet. Wir haben bisher nur die Sicherheit, dass wir die uns zugesprochenen Räume für das Museum und für unsere Büros in diesem Jahr nicht mehr erhalten werden. Wir selbst, aber auch die von uns beauftragten Innen- und Museumsarchitekten, die Tischler und die anderen Zulieferer wollen das Projekt gerne abschließen. Die Sache mit dem Dom wird also für alle zur Geduldsprobe.
Viel besser verlaufen die Arbeiten im anderen Gebäudeteil, in der Französischen Friedrichstadtkirche - jedenfalls bisher. Baukoordinator Tim Rössle hat einen detaillierten Zwischenbericht erstellt. Die Beseitigung der kontaminierten Dachdämmung sowie die Sanierung der Dachanker auf der Attika sind abgeschlossen. Der Durchgang zum Dom im Untergeschoss ist mitsamt einem neuen Rabitzgewölbe wiederhergestellt. Die neuen Toilettenanlagen im Untergeschoss entstehen gerade und in der Kirche wurde die Wand hinter der Kanzel nach rechts und links verlängert, um dahinter neben einer neuen Sakristei mehr Stauraum zu schaffen. Rechts und links vom Eingang in den Kirchsaal wurden die Decken / Böden der hinteren Logen abgerissen. Neue, etwas tieferliegende Böden werden gerade erstellt bzw. auf der rechten Seite wird eine neue Treppe vom Kirchsaal hinab ins Untergeschoss gebaut. Die Fenster wurden wieder gang- und schließbar gemacht. Zur besseren Schall- und Wärmeisolierung werden Vorsatzfenster angefertigt. An einigen Stellen im Kirchsaal werden auch schon die Schallschluckelemente in den Wänden erneuert. Wenn im Frühjahr die gröbsten Arbeiten erledigt sind, wird die Orgel einer Generalreinigung unterzogen und das Schnitzwerk der Orgel, die einzigen Originalstücke aus der Vorkriegszeit, renoviert. Bleibt alles weiter im Plan, werden wir unsere Kirche im Sommer kommenden Jahres wieder bewohnen können.
Ein Jahr später, im August 2022, geht es dann auf dem Platz los. Wir wurden darüber informiert, dass der Gendarmenmarkt neu gepflastert und die Aufkantungen an einigen Stellen zur Barrierefreiheit rückgebaut werden sollen. Auch soll die Infrastruktur für die Schankgärten (Strom- Wasser- und Abwasseranschlüsse) unter das Pflaster verlegt werden. Für zweieinhalb Jahre wird der Platz dann eine große Baustelle sein. Von den Maßnahmen ausgeschlossen ist aber der Platz um unsere Kirche, also das Areal der Kugelahorne. Damit wird ein Vorhaben endlich umgesetzt, das schon vor einigen Jahren im Gespräch war. Insbesondere gegen die geplante Abholzung der Kugelahorne um unsere Kirche herum formierte sich damals heftiger Protest. Indem der Bereich um unsere Kirche nun von den Baumaßnahmen ausgespart wird, respektieren die politisch Verantwortlichen das Ergebnis einer Bürgerbeteiligung vor einigen Jahren, in der sich eine knappe Mehrheit für den Erhalt der kleinen Bäumchen eingesetzt hat, obwohl sie sich dort erkennbar unwohl fühlen. Sie gehen nach und nach ein. Nachgepflanzt werden sie nicht mehr.
Dr. Krämer berichtete, dass das Kuratorium und wir einen neuen Pachtvertrag für das Restaurant unter der Kirche geschlossen haben. Neuer Pächter wird die „Besondere Orte GmbH“ sein, die auch das Veranstaltungsmanagement in der Kirche übernimmt. Dafür musste „Besondere Orte“ das Facility- und Kostenmanagment abgeben. Damit wird der Servicebetrieb des Johannesstiftes beauftragt. Das Restaurant soll künftig mit einem gastronomischen „Brasserie-Konzept“ in einem moderateren Preissegment als bisher auch als Museumscafé auftreten.
Seit der letzten Gemeindeversammlung gab es in der Französischen Kirche einige personelle Veränderungen. Eine der beiden  Pfarrstellen wurde mit Pfr. Dr. Ulrichs besetzt. Für die Buchhaltung haben wir Frau Putzas gewinnen können, die sich mit viel Kompetenz und Engagement eingearbeitet hat und vor kurzem hat Herr Zumbaum-Tomasi die Leitung des Museums übernommen.
In Vertretung des Trésoriers Altmann berichtete Herr Landré, dass unsere finanzielle Lage derzeit gut ist, da die für dieses Jahr geplanten Investitionen ins Museum und in die Büroausstattung wegen der Bauverzögerungen nicht getätigt werden können. Leider zeichnet sich ab, dass die Kosten für die Büroausstattung höher als geplant werden. Die sehr verwinkelten und gerundeten Räumlichkeiten im Turm erfordern viele recht kostspielige Sonderanfertigungen. Herrn Altmann wurde für sein großes Engagement bei der Einarbeitung von Frau Putzas und der weiteren Digitalisierung der Buchhaltung gedankt.
Aus dem Conseil presbytéral berichtete Frau Nsangou, dass die Verlegung der Gottesdienste nach Halensee zu einem deutlichen Rückgang des Gottesdienstbesuchs in der Communauté francophone geführt habe. Dies habe auch finanzielle Einbußen zur Folge. Ob es bei andauernder Pandemie gelingen werde, eine Nachfolge für Pasteur Foehrlé zu finden, sei ungewiss. JK

Gemeindeleitung

Die Französische Kirche hat sich 1791 in den Reglements eine Ordnung gegeben, die bis heute in Geltung ist. Die Reglements geben der Gemeinde eine Struktur und schreiben die relative Autonomie der Französischen Kirche innerhalb der Landeskirche (EKBO) fest. Das aus berufenen Gemeindemitgliedern (Anciens / Anciennes) und den Pfarrern zusammengesetzte Consistorium leitet die Französische Kirche. Das Consistorium kommt jeden zweiten Mittwoch im Monat zur Generalversammlung zusammen. In nicht öffentlicher Sitzung werden vor allem finanzielle und personelle Angelegenheiten beraten. Vier mal im Jahr kommt das Consistorium in öffentlicher Sitzung als Mittwochsconsistorium zusammen, um die Gemeindearbeit zu beraten und zu planen. Die Schwerpunktthemen des Mittwochsconsistoriums sind: Jahresplanung, Gottesdienst und Liturgie, Kinder-, Jugend- und Konfirmandenarbeit, Diakonie und Mitgliederpflege. In der Regel im September wird die Gemeindeversammlung einberufen. Sie nimmt Berichte entgegen und entscheidet über wesentlich Belange, die ihr vom Consistorium vorgelegt werden. Die zur Zeit 18 Mitglieder de Consistorium (Compagnie) werden für in der Regel 6 Jahre berufen, können aber wiederberufen werden. Die Pfarrer wechseln sich nach jeder Sitzung der Generalversammlung im Amt des Modérateurs ab, der mit dem von der Generalversammlung bestimmten Secrétaire die Geschäftsführung übernimmt. Secrétaire, Trésorier und der Secrétaire der Bau- und Finanzkommission überwachen die von der Landeskirche unabhängige Finanzverwaltung der Französischen Kirche. Die Arbeit der Generalversammlung wird von folgenden Kommissionen vor- und nachbereitet: Bau- und Finanzkommission, Kommission für das Gemeindeleben, Kirchhofskommission und Kommission für Museum, Bibliothek und Archiv.

Die Reglements der Französischen Kirche und ihre Überarbeitung


Nach mehrjährigen Vorarbeiten legt das Consistorium der Französischen Kirche zu Berlin der Gemeindeversammlung (früher: Familienhäupterversammlung) eine überarbeitete Fassung der Reglements vor. Es ist dies die erste grundlegende Überarbeitung seit der schriftlichen Fixierung der Reglements Ende des 18. Jahrhunderts.
Am 7. März 1791 hat die Familienhäupterversammlung Reglements für die Compagnie des Consistoriums der Französischen Kirche zu Berlin entgegengenommen. Schon 1778 hatte eine Commission begonnen, einzelne Ordnungen zu sammeln. Ab 1783 machte sich eine dreißigköpfige Commission ernsthaft an die Arbeit. Drei Jahre später wurde wieder eine nun etwas kleinere Commission gebildet, um noch die Punkte zu lösen, für die die vorherige Commission keine einvernehmliche Lösung finden konnte. Diese Arbeit zog sich bis 1791 hin.
In Anbetracht der langwierigen und nicht ganz glücklichen Geburtswehen kann man verstehen, dass in den folgenden Jahrhunderten bis heute notwendig erscheinende Änderungen an den Reglements nur vorsichtig vorgenommen wurden. Diese sind in der 1876 veröffentlichten deutschen Übersetzung der Reglements vermerkt worden, die inzwischen notwendig geworden war und den allgemeinen Sprachwechsel innerhalb der Gemeinde vom Französischen ins Deutsche dokumentiert. Änderungen nach 1876 wurden zwar protokolliert, nicht aber systematisch erfasst. In der überarbeiteten Fassung sind sie nach Möglichkeit berücksichtigt.
Obwohl die Französische Kirche zu Berlin im Lauf von über zwei Jahrhunderten alle ihre diakonischen und pädagogischen Institute abgeben oder schließen musste und obwohl sie ihre Beziehungen sowohl zur Evangelischen Kirche als auch zum Staat in seinen verschiedenen Gestalten (Monarchie und unterschiedliche Republikformen) jeweils neu regeln musste, hat sie es vermieden, die Reglements den neuen Gegebenheiten anzupassen.
Nicht in erster Linie deshalb, weil die meisten Reglements mit dem Verlust der sie betreffenden Einrichtungen obsolet geworden sind, sondern vor allem darum, weil einige der noch angewandten Reglements unklar oder schwer zu handhaben waren, wurde die jetzt vorgelegte Überarbeitung notwendig. So mussten z.B. schon vor einiger Zeit das Verfahren zur Berufung der Anciens und Anciennes in das Consistorium und die Richtlinien zur Pfarrwahl präzisiert werden. Pfarrer i.R. Tilman Hachfeld hat in mühevoller Kleinarbeit eine Rohfassung der Überarbeitung vorgelegt, die dann von einer Arbeitsgruppe des Consistoriums in drei Jahren durchgesehen wurde. Zu dieser Arbeitsgruppe gehörten außer Pfar-rer Tilman Hachfeld noch Pfarrerin Meike Waechter, Pfarrer Dr. Jürgen Kaiser, sowie die Anciens Herr Wolf-Rü-diger Bierbach (Secrétaire), Herr Daniel Er-man (Secrétaire des Diaconats) und zeitweise Frau Gisela Maresch-Zilesch und Frau Olga Venter-Mex.
In der nun vorliegenden Überarbeitung sind alle Passagen ausgelassen, die sich auf Institutionen der Französischen Kirche zu Berlin beziehen, die es nicht mehr gibt (Hospital, Kinderhospital, Waisenhaus, École de Charité, Hôtel de Refuge, Maison d'Orange, Collège, theologisches Seminar, Armenbäckerei, Marmite). Allein dies erklärt, warum die überarbeitete Fassung so viel kürzer ausfällt als die deutsche Fassung von 1876.
Für die noch bestehenden Leitungsgremien der Französischen Kirche zu Berlin (Gemeindeversammlung, Generalversammlung, Mittwochsconsistorium, Diaconat und Commissionen) wurden die Reglements in der Fassung von 1876 soweit als möglich übernommen. Aber auch hier mussten einzelne Bestimmungen, die nicht mehr im Gebrauch sind, weggelassen bzw. durch neue ersetzt werden. Außerdem stellt die Überarbeitung die Bestimmungen in einer anderen, heute einleuchtenderen Systematik zusammen: Zunächst werden die Gremien behandelt: Gemeindeversammlung, Generalversammlung, Mittwochsconsistorium und Diaconat. Dann folgen die Geschäftsordnungen, dann die Wahl- und Berufungsordnungen und die Reglements, die die finanziellen Angelegenheiten betreffen. Die Überarbeitung schließt mit allgemeinen Bestimmungen zum Schutz der Reglements.
Das Consistorium hat sich bewusst dafür entschieden, die alten Reglements nicht durch neue zu ersetzen, sondern sie durch eine Durchsicht und Überar-beitung an die heutigen Erfordernisse anzupassen. Dies geschah nicht nur im Hinblick darauf, dass die Reglements durch die Grundordnung der Ev. Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (Art. 37, Abs. 3) in ih-rem Bestand garantiert werden. Vor allem wurde diese Entscheidung von der Überzeugung geleitet, dass die alten Reglements nicht allein sinnvolle und bewährte Richtlinien enthalten, sondern auch die Grundsätze reformierten Gemeindeverständnisses, wie sie vor allem von Jean Calvin formuliert worden sind, in gelebte Praxis umsetzen. So nahmen von Anfang an die Ältesten in verschiedenen Ämtern kirchenleitende Aufgaben wahr. An keiner Stelle gehen die Reglements von einem Gegenüber von Pfarrer und Ältesten aus; vielmehr sind die Pastoren und Pastorinnen („Prediger“) in die Compagnie des Consistoriums integriert. Gerade dieser reformierte Geist der Reglements bestärkt uns in der Zuversicht, dass die Französische Kirche zu Berlin mit ihren „ehrwürdigen“ Reglements auch in Zukunft eine lebendige Gemeinde sein wird.
Die vorliegende Überarbeitung der Reglements ist also als eine Anpassung der bestehenden Reglements an die heutigen Gegebenheiten zu verstehen. Sie setzt kein neues Recht, sondern bewahrt den Geist und den Buchstaben der alten Reglements. Dies führt in der Überarbeitung zu einem Nebeneinander von alten und neuen Textabschnitten. Man wird dies beim Lesen am unterschiedlichen Stil erkennen. Die alten Passagen fallen durch ihre etwas umständliche Art auf, während die neueren am heute üblichen, nüchterneren Stil erkannt werden. Die stilistische Uneinheitlichkeit ist der Preis des Prinzips, so viel als möglich zu erhalten und nur so viel wie nötig zu erneuern.
Mit der Überarbeitung der alten Reglements drückt das Consistorium die Überzeugung aus, dass die Französische Kirche zu Berlin im lebendigen Umgang mit ihrem Erbe eine solide Basis für eine segensreiche Zukunft findet.  JK