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Predigt über John Wyclif (Pfrion. M. Waechter) vom 16.10.2016

Predigt über John Wyclif (ca. 1330-1384)

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Liebe Gemeinde,

John Wyclif: Er hat sein Studium der Theologie an der Universität Oxford mit dem Doktortitel abgeschlossen. Er hatte unterschiedliche kirchliche Ämter inne. Er machte sich einen Namen als Dozent an der Universität von Oxford und als Autor eines umfangreichen theologischen Werkes. Darüber hinaus war er ein angesehener Berater für kirchenpolitische Fragen.

So beschrieben erscheint John Wyclif ganz nah und vertraut. Die Stichworte: Universität Oxford, Doktor der Theologie, Kirchenpolitik – das sind auch für uns geläufige Worte. John Wyclif könnte ein Gastprediger sein, den wir heute in die Gemeinde eingeladen haben und den ich an dieser Stelle kurz vorstellen möchte.

Doch da sind noch ganz andere Stichworte, die die Zeit, in der er lebte, beschreiben und die nicht fehlen dürfen, wenn man ihn verstehen will. Das sind die Begriffe: Pest, Hundertjähriger Krieg, Papstschisma. Wir merken, dass John Wyclif kein Zeitgenosse sein kann. Diese Worte kennen wir aus den Geschichtsbüchern und nicht  aus unserem Alltag in Berlin im 21. Jh. Und wann war das nochmal? Die Pest? Der hundertjährige Krieg? Wir sind mitten im 14. Jh, noch lange vor Martin Luthers Wittenberger Thesen.

Eine Zeitreise ist leider nicht möglich. Wir konnten unseren Gastprediger aus Oxford nicht persönlich einladen. Wir können uns seiner Lebenswelt und seinen Ideen nur aus weiter Ferne annähern und schwanken zwischen Vertrautem und Unvorstellbarem, zwischen Nähe und Fremdheit.

Während seines Studiums in Oxford war die Universität monatelang geschlossen – wegen der Pest. Die Pest wütete in England besonders schlimm. Leichen mit schwarzen Beulen lagen in den Straßen. Die Hälfte der Bevölkerung fiel ihr zum Opfer.

Den Hundertjährigen Krieg nennen wir heute einen Konflikt um Gebiete in Frankreich, auf die die Englische Krone Ansprüche erhob. Der Krieg wütete zwar nicht 100 Jahr durchgehend. Doch auf Schlachtfeldern ließen viele Menschen ihr Leben. Zuhause in England litten sie unter den hohen Abgaben, die erhoben wurden, um diesen Krieg zu finanzieren.

Der Konflikt zwischen England und Frankreich schlug sich auch in der Kirchenpolitik nieder. Der Papst hatte 1309 seinen Sitz von Rom nach Avignon verlegt. Papst und französischer König waren sich wohl gesonnen. Die Engländer betrachteten diese Allianz mit Argwohn. Die englische Krone war nicht bereit, Abgaben an den Papst in Frankreich zu bezahlen, die dann möglicherweise im Krieg gegen England verwendet werden würden. Das Vertrauen in die Papstkirche war gering. Und es sank noch tiefer, als es 1378 auf einmal zwei konkurrierende Päpste gab, einen in Avignon und einen in Rom. Doch auch innerhalb Englands waren die Beziehungen zwischen Krone und Kirche schwierig. Vielen Adligen war die Kirche zu einflussreich (hohe Staatsämter waren mit Bischöfen besetzt) und gleichzeitig durch eigene Ländereien zu unabhängig vom Staat.

Das Leben war im 14. Jh geprägt von Seuchen, Kriegen, Ausbeutung. Der Held der einfachen Leute damals war ein geächteter Räuberhauptmann, der sich der habgierigen weltlichen und geistlichen Oberschicht widersetzte. Seine Balladen und Legenden stammen aus dieser Zeit: Robin Hood stammt aus demselben Jahrhundert wie John Wyclif. Wir merken, dass unser Gastprediger, der heute leider nicht hier sein kann, aus einer uns fremden Welt stammt. Aus weiter Ferne blicken wir auf seine Zeit. Wir werden sehen, ob wir uns ihm nähern können.  

BIBELVERSTÄNDNIS

John Wyclif, der Theologe in Oxford, las die Bibel. Bibeln, das waren damals kostbare Bücher. Es gab nur wenige Bibeln. Sie waren groß und schwer, mit dicken Seiten und mächtigen Einbänden. Allesamt in unendlicher Fleißarbeit von Hand geschrieben. Manche mit Bildern verziert. Wyclif sitzt an einem Tisch am Fenster einer Bibliothek in Oxford. Vor ihm liegt die große Bibel. Hoffentlich ist es hell genug, damit er keine Mühe beim Lesen hat.

Wyclif liest:

Mt 10,5 Diese Zwölf sandte Jesus aus, gebot ihnen und sprach: …. 7 Geht aber und predigt und sprecht: Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. 8 Macht Kranke gesund, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt böse Geister aus. Umsonst habt ihr's empfangen, umsonst gebt es auch. 9 Ihr sollt weder Gold noch Silber noch Kupfer in euren Gürteln haben, 10 auch keine Reisetasche, auch nicht zwei Hemden, keine Schuhe, auch keinen Stecken.

Wyclif liest:

Mt 8, 19 Da kam ein Schriftgelehrter zu ihm und sagte Meister, ich will dir folgen, wohin du auch gehst. 20 Jesus sagt zu ihm: Die Füchse haben Höhlen, und die Vögel des Himmels haben Nester, der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.

Wyclif liest:

Mt 18,1 Zu derselben Stunde traten die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist doch der Größte im Himmelreich? 2 Jesus rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie 3 und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. 

Wyclif liest:

Joh 14, 6: Christus spricht: ich bin der Weg die Wahrheit und das Leben.

Wyclif liest in der Bibel, dass die Menschen umkehren und wie die Kinder werden sollen, dass Jesus in einem Stall geboren wird und auf einem Esel in Jerusalem einreitet, dass er leidet und stirbt. Christus tut gute Werke und geht als guter Hirte den Menschen beispielhaft voran. Seine Nachfolger, die Jünger, sind einfache Leute, keine Gelehrten. Sie werden ausgesandt ohne Geld, ohne Schuhe, arm, den aussätzigen, pestkranken Menschen zugewandt.

Wyclif liest die Bibel und erkennt in ihr die ewige Wahrheit. In Jesu Leben zeigt sich das Gesetz Gottes. Jesu Demut und Armut, seine Verachtung irdischen Besitzes und Hochschätzung himmlischer Güter ist ein Vorbild für jeden einzelnen Christen und die Kirche insgesamt.

Wyclif liest die Bibel und er liest sie ganz. Er schreibt einen umfangreichen Kommentar zur ganzen Bibel.  Er übersetzt immer wieder Passagen aus der Bibel ins Englische. Allein die Bibel gibt ihm Orientierung und soll Orientierung für die Kirche sein. Davon ist er überzeugt und davon will er andere überzeugen. Er ist der einzige in seinem Jahrhundert in England, der sich so intensiv mit der Bibel beschäftigt.

Nah und fern – vertraut und fremd?

Hier in unserer Kirche liegt die Bibel in der Mitte auf dem Abendmahlstisch. Es ist für uns selbstverständlich, die Bibel in den Mittelpunkt zu stellen. Hier treffen wir uns mit unserem fernen Gastprediger und fühlen uns mit ihm verbunden. Fremd ist mir, dass das im Falle Wyclifs so besonders war. Und die Bibel für die Kirche, die Theologen, den Papst damals oft nicht im Mittelpunkt stand

 

KONFLIKT MIT DER PAPSTKIRCHE – GEMEINSAM MIT DEM ADEL

Wyclif las die Bibel und las sie durch die Brille seiner Zeit. Er hatte die Kirche, die er kannte, vor Augen: Ein Papst, der immer mehr Geld benötigt, kirchliche Würdenträger, die Ländereien und weltliche Ämter besitzen, eine Kirche, die über das Volk regiert, die Verquickung von weltlicher und kirchlicher Macht – das widersprach allem, was Wyclif in der Bibel las. Er sah keine Demut und Armut in der Kirche, kein geduldiges Leiden in der Nachfolge Christi.

Wyclif schrieb seine Auslegung und seine Forderungen auf und redete darüber. Er kritisierte den unbiblischen Wohlstand der Kirche. Er forderte die Enteignung der Kirche sowie die Preisgabe weltlicher Ämter und die königliche Hoheit über äußerliche Kirchendinge. Er argumentiert mit der Bibel und fordert auf, ihn nur mit der Bibel zu widerlegen.

Wyclif wurde gelesen und er wurde gehört: Wyclifs fand Anhänger am königlichen Hof und beim Adel. Denn der Unmut der Adligen gegen die päpstlichen Abgaben und die Macht der Kirche schwelte schon lange. Mit ihm fanden sie einen klugen, theologischen Kopf, der ihre Sache gegen die Kirche verteidigen konnte.

Wyclif wurde gelesen und er wurde gehört, auch in der Kirche. Dort fand er keine Anhänger sondern Ankläger. Seine Ideen und Forderungen wurden abgelehnt. Der Papst (Gregor XI 1377) verurteilte einzelne Artikel aus Wyclifs Werken als Irrtümer.

Aber der Papst wurde kaum gelesen und nicht hört. Wyclifs Rückhalt beim Adel und im Volk war so groß, dass dieses Urteil kaum Wirkung zeigte. Wyclif konnte weiter lesen, schreiben und predigen. Seine adligen Unterstützer sorgten für ihn. Er bekam eine Pfarrei in Leicestershire verliehen.

Die Kirche, die Päpste – ab 1378 zwei konkurrierende Päpste -  waren zu sehr mit sich selber beschäftigt, als dass sie einem Theologen im weit entfernten England große Beachtung schenken konnten.

Nah und fern – vertraut und fremd?

Diese ganze Situation erscheint mir sehr fremd. Die weltliche Macht der Päpste und der Kirche in England. Die Verurteilung einzelner Sätze. Ich spüre, dass Jahrhunderte zwischen uns und unserem Gastprediger liegen. Nah und vertraut erscheint mir aber Wyclifs Versuch, mit der Bibel um Antworten zu ringen und nach Verständigung zu suchen. In dem Sendschreiben an Papst Urban können wir lesen: ich setze voraus, dass der Papst mein Bekenntnis bestätigen wird, falls es der Lehre der Kirche entspricht, ist es aber irrig, so wird er es berichtigen. Eine Antwort von Papst Urban ist nicht überliefert.

 

KONFLIKT MIT PAPSTKIRCHE, KONFLIKT MIT ADEL

Wyclif liest die Bibel. Wyclif legt sie aus, schreibt weitere Kommentare, Traktate, Thesen, Predigten. Und er ist frustriert, von seiner Wirkungslosigkeit. Er radikalisiert sich: Er schimpft den Papst als Antichrist und fordert eine radikale Neuerung der Kirche. Allein Christus ist das Haupt der Kirche und nicht der Papst. Seine Ablehnung richtet sich nicht mehr nur gegen die Kirchenpolitik, sondern auch gegen die damalige Theologie. Er verwirft wichtige Frömmigkeitsformen: Reliquienverehrung, Heiligenkult, Wallfahrten und auch die Abendmahlslehre. Er lehrt, dass sich die Elemente Brot und Wein durch den Segen des Priesters nicht verwandeln, sondern Leib und Blut allein symbolisieren.  

Wyclif wurde gelesen und gehört, aber seinen Thesen wurde nicht mehr zugestimmt. Das war zu viel! Die weltlichen Unterstützer Wyclifs, die seine Kritik an der Macht der Papstkirche teilten, hatten kein Verständnis mehr für ihn. Durch die theologischen Themen sahen sie sich in einen Konflikt mit hineingezogen, mit dem sie nichts zu tun haben wollten. Seine Ablehnung der alltäglichen, weit verbreiteten Frömmigkeit fand keinen Anklang.

Nah und fern – vertraut und fremd?

Was mir vertraut erscheint, die Ablehnung der mittelalterlichen Frömmigkeit, wie sie später auch die Reformatoren lehrten, war den Menschen damals fremd. Wir merken, dass unser weit entfernte Gastprediger seinen eigenen Zeitgenossen fremd geworden war.

1382 wurden einige von Wyclifs Thesen von der englischen Kirche und der Universität Oxford als häretisch verurteilt. Seine Anschauungen und Schriften durften nicht mehr verbreitet werden. Er selbst wurde jedoch nicht angetastet. Vor einer persönlichen Verurteilung schreckte man zurück, weil er noch einige mächtige Unterstützer hatte. Die letzten Lebensjahre verbrachte er schon geschwächt und kränklich, aber weiterhin lesend und schreibend und predigend auf seiner Pfarrei. Er starb 1384.

Auf dem Konzil von Konstanz 1415 wurde er nachträglich als Ketzer verurteilt. Seine sterblichen Überreste wurden daraufhin ausgegraben und verbrannt. So verurteilte die Kirche ihn noch nachträglich, wie sie es zu seinen Lebzeiten nicht gewagt hatte.

 

DIE LOLLARDEN

Wyclifs Tod war nicht das Ende seiner Gedanken und Forderungen. „Lollarden“, so nannte man die Anhänger Wyclifs. Zunächst waren es Schüler aus Oxford, die dort vertrieben wurden. Hinzu kamen weitere Laienprediger. Die Lollarden schlossen die von Wyclif angeregte Übersetzung der Bibel ins Englische ab. Ihr Anspruch war es, dass alle Menschen die Bibel in ihrer Muttersprache lesen sollten.

Aber vielleicht muss man sagen, dass sie ihrer Zeit voraus waren. Die Analphabetenrate war sehr hoch. Wer lesen lernte, tat dies meist in einer kirchlichen Schule und wurde dadurch geprägt. Die Druckerpresse war noch nicht erfunden, so dass das Erstellen und Verbreiten von Schriften und Büchern unglaublich mühsam war.

1395 trugen die Lollarden ihre Thesen vor das englische Parlament: „Wir armen Männer, Schatzmeister Christi und seiner Apostel, geben den Herren und Gemeinen des gegenwärtigen Parlaments gewisse Thesen und Wahrheiten bekannt zur Reformation der heiligen Kirche Englands, welche seit vielen Jahren vom Aussatz befallen ist infolge des Regiments der hoffärtigen Prälaten sowie unterstützt durch die Schmeichelei der privaten Religion, die zu einer großen Bürde angewachsen ist und lästig ist dem Volk hier in England.“

Aber sie fanden keinen Rückhalt. 1401 wurden ihre Thesen und die englische Bibel verboten. Sie selber wurden verfolgt. Ihre Gedanken wurden jedoch nicht vergessen und verbreiteten sich sogar bis Böhmen. Von Jan Hus werden wir in zwei Wochen hören.

 

EVANGELISCH DAMALS UND HEUTE

Nah und fern – vertraut und fremd?

Bei der Vorstellung unseres Gastpredigers, der leider nicht kommen konnte, habe ich seinen wichtigsten Titel verschwiegen. John Wyclif wurde von seinen Schülern „Dr. Evangelicus“ genannt. Er war ein evangelischer Lehrer, der die Bibel in den Mittelpunkt seiner Lehre stellte. In dieser Funktion ist er mir sehr nah und gar nicht fremd.

Amen

 

Sendschreiben an Papst Urban VI. 1378:

Es freut mich, jedermann, insbesondere aber dem Papst zu Rom, mein Glaubensbekenntnis offen darzulegen, denn ich setze voraus, dass es der Papst bestätigen wird, falls es der Lehre der Kirche entspricht, ist es aber irrig, so wird er es berichtigen.

Ich setze voraus, dass das Evangelium Christi das Herz des Leibes des Gesetzes Gottes ist, ich glaube aber, dass Christus, der dies Evangelium unmittelbar gegeben hat, wahrer Gott und wahrer Mensch ist und dass das Gesetz der Evangeliums alle anderen Teile der Schrift in dieser Hinsicht überragt.

Zum anderen setze ich voraus, dass der Papst zu Rom, als der oberste Stellvertreter Christi auf Erden, zur Einhaltung des Gesetzes des Evangeliums unter dem Christen am allermeisten verpflichtet ist. Denn der Vorrang unter den Jüngern Christi richtet sich nicht nach ihrer weltlichen Größe, sondern nach dem Maß der Nachfolge Christi in ihrem Lebenswandel.

Des weiteren entnehme ich diesem Herzen des Gesetzes des Herrn, dass Christus auf Erden der ärmste Mensch war und jede weltlich Herrschaft von sich wies, nach dem Zeugnis der Schrift. (Mt 8 und 2 Kor 8). Und hieraus schließe ich, dass jeder Gläubige dem Papst oder einem Heiligen nur insoweit nachfolgen darf, als dieser seinerseits dem Herrn Jesus Christus Nachfolge geleistet hat.  … Hieraus entnehme ich gewissermaßen als Ratschlag, dass der Papst seine weltliche Herrschaft dem weltlichen Arm überlässt und ebenso seinen Klerus nachdrücklich dazu ermahnt. Denn das Gleiche hat Christus zeichenhaft durch seine Apostel getan.

Wenn ich aber hierin irren sollte, so ist es mein demütiger Wunsch, berichtigt zu werden …

Aus den 24 Lehrsätzen Wyclifs, die 1382 verurteilt wurden:

1. Im Altarsakrament bleibt nach der Konsekration die Substanz des materiellen Brotes und Weines erhalten.

3. Christus ist im Altarsakrament nicht identisch, wahrhaft und wirklich in seiner eigenen leiblichen Person gegenwärtig.

10. Es widerspricht der Heiligen Schrift, dass die Geistlichen weltliche Besitzungen haben sollen.

15. Jedem, auch dem Diakon oder Priester, ist es erlaubt, das Wort Gottes zu predigen, auch ohne die Autorität des Apostolischen Stuhles oder eines katholischen Bischofs oder einer andere hinreichend beglaubigte Autorität.

19. Besondere Fürbittengebete, die Weltgeistliche oder Mönche zugunsten einer Person sprechen, nützen dieser Person nicht mehr als die allgemeinen Fürbittgebete.

 

Die 12 Thesen der Lollarden (1395)

„Wir armen Männer, Schatzmeister Christi und seiner Apostel, geben den Herren und Gemeinen des gegenwärtigen Parlaments gewisse Thesen und Wahrheiten bekannt zur Reformation der heiligen Kirche Englands, welche seit vielen Jahren vom Aussatz befallen ist infolge des Regiments der hoffärtigen Prälaten sowie unterstützt durch die Schmeichelei der privaten Religion, die zu einer großen Bürde angewachsen ist und lästig ist dem Volk hier in England“

4. .. Das erfundene Wunder des Sakraments des Brotes verführt alle Menschen mit Ausnahme weniger zum Götzendienst. Denn sie glauben, der Leib Christi, der niemals außerhalb des Himmels ist, werde durch die Kraft der Worte des Priesters wesenhaft in das kleine Brot eingeschlossen, das sie dem Volke zeigen....“

8. Pilgerfahrten, Gebete und Gaben an blinde Kreuze und stumme Bilder aus Holz und Stein sind dem Götzendienst nahe verwandt und vom Almosen weit entfernt... „ ... Denn Gott hat nicht gesagt „Lasset uns Holz und Stein machen ein Bild, das uns gleich sei“ sondern „Lasset uns den Menschen machen“...

12. Die Vielfalt unnötiger Handwerkszweige ... fördert zahlreiche Sünden wie Üppigkeit, Neuerungssucht und Kleidermissbrauch...[1]

 


[1] Vgl.Benrath (Hg.): Wegbereiter der Reformation, Bremen, 1967.

Weitere Literatur:

Benrath: Wyclifs Bibelkommentar, Berlin, 1966.

Kanak: Der Ketzer von Oxford. Leben und Wirkungen John Wiklifs, Berlin, 1977.

Hudson: The premature reformation. Wycliffite Texts and Lollard history, Oxford, 1988.