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Predigt über Jan Hus und die Böhmische Reformation (Dr. Chr. Staffa) vom 06.11.2016

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Liebe Gemeinde

 „Darum frommer Christ, suche die Wahrheit, höre auf die Wahrheit, lerne die Wahrheit, liebe die Wahrheit, sprich die Wahrheit, halte die Wahrheit fest, verteidige die Wahrheit bis zum Tode, denn die Wahrheit befreit dich von der Sünde, vom Teufel, vom Tod der Seele und schließlich vom ewigen Tod.“ (Kommentar zu Johannes 8,31-32)

Das predigt Jan Hus vor mehr als 600 Jahren. Ein starker Ton. Dieser on ist auch ein Blickfang, der als Flagge auf dem Präsidentenpalast auf dem Hradcin in Prag weht. „Pravda vitezi“ Die Wahrheit siegt.

Diese Fahne wehte auch schon zu real existierenden sozialistischen Zeiten da, was sagt uns das über die Wahrheit?

Sie weht auch jetzt über dem Präsidenten Jaroslav Zeman…

Und wie steht es mit unserer Wahrheitssuche als Kirche, als Gemeinde Jesu Christi? Dieser Suche verdankt sich ja diese Predigtreihe, die davon ausgeht, dass es mehr Wahrheit in der Geschichte der Reformation zu entdecken gibt, als wir im Reformationsjubiläum hören. Steht das Jubiläum hierzulande doch immer wieder in der Gefahr ein Luther-, ein deutsches Jubiläum zu werden oder zu sein.
Und es ist kein deutsches Geschehen und es ist kein Geschehen des 16. Jahrhunderts und ja, es ist ein gesamtkirchliches Sinnen und Trachten nach Veränderung; streitbar, in Teilen unversöhnlich und gewaltförmig, in anderen Teilen gewaltfrei und auf Überzeugungskraft durch das Wort, durch das Vertrauen auf die Heilige Schrift gerichtet.

In der Böhmischen Reformation hieß die Schrift: Gesetz Gottes. Das war Programm, denn sie zielt auf Tun des Gerechten. Deshalb wurde in Böhmen schon 1350 begonnen in den Volkssprachen zu predigen. Alle sollten teilhaben. Jan Hus tut es ab 1402 in der Bethlehemskapelle. Die Autorität der Schrift ist der Mittelpunkt aller reformatorischen Bewegungen von den Waldensern bis zu Zwingli. Für die Böhmen soll sie Kriterium sein für Praxis und Theologie, und Praxis meint Handeln in Kirche und Welt – deshalb Gesetz Gottes. Dabei ist und bleibt umstritten, welche Folgerungen zu ziehen sind aus der Schrift, dem Leben Jesu und der Urgemeinde. Was für konkrete Folgerungen für heute? Deshalb gab es das Ringen um Wahrheit als konstitutives Element der Böhmischen Sache: Disputationes zwischen verfeindeten oder zwischen ähnlichen im Detail verschiedenen Positionen. Alles wurde mit dem Anspruch verhandelt, dass wir nicht im Besitz der Wahrheit sein können und sie dennoch suchen müssen.

Hus schlägt ein Pamphlet an ein Tor, es ist das Brückentor zur Karlsbrücke. Darin appelliert er  an Jesus Christus. Er ruft ihn als Richter über den über ihn wegen seines Protestes gegen eine Ablassbulle verhängten Bann und seine Exkommunikation an: „ich folge den Spuren meines Heilands“. Und mit diesem Bewusstsein geht er auch in den Tod, dessen 600. Jahrestag wir im letzten Jahr begangen haben.

Dieser Bezug zur Schrift, und die damit einhergehende Verurteilung von allen nicht durch die Schrift legitimierten kirchlichen Bräuche und Gepflogenheiten, theologische Lehren  und praktischen Umsetzungen sind die Wesenszüge der radikalen Böhmischen Reformation. Deshalb wird der Ämterkauf attackiert, die Wahl von Priestern und Bischöfen durch die Gemeinden propagiert, die Priesterweihe als Herrschaftsinstrument angegriffen, die Zahl der Sakramente auf zwei beschränkt, Taufe und Abendmahl. Und das Wort, das Gesetz Gottes ist hier die Richtschnur: das Gnadenhandeln Gottes, delegitimiert das „Gnadenhandeln“ der Kirche, der gemeindliche Zugang zur Schrift und zur Gnade Gottes ohne priesterliche Vermittlung sind Zeichen von geschenkter Gewissens- und Glaubensfreiheit.[1]

Zentrales Kampffeld in diesen Zeiten, das Abendmahl: Priesterliche Privilegierung wurde radikal abgelehnt. Brot und Wein für alle sollte es geben, keine priesterlichen Vorrechte, eine Gemeinde, Priestertum aller.

Denn im Abendmahl kommt die Gemeinde zusammen, deren Heiligkeit nicht unabhängig von ihrem Lebenswandel zu verstehen sein kann. Im Abendmahl spürt die Gemeinde die Kraft der Hoffnung auf das Reich Gottes, ein Vorschein der Zukunft, ein Mahl, das alle Dimensionen des Christseins, die Überwindung der Welt feiert, Hoffnung und messianische Energie  gibt für ein schriftgemäßes Leben, für die Veränderung der Welt allzumal der Kirche. So ist der Kelch, das Symbol der Böhmischen  Reformation nicht nur wichtig wegen Partizipation, sondern er ist Ausdruck dieser Hoffnung auf das kommende Reich, die sich nicht abfindet mit der vorfindlichen Welt. Das beflügelt die böhmische Reformation, die mit Hus Märtyrertod nicht zu Ende ist, sondern beginnt und währt 200 Jahre.  

Es wird eine breite Volks- Bürger- und Magisterbewegung. Die Reaktion war harsch: 5 Kreuzzüge ruft Rom aus gegen die böhmischen Reformer, alle werden von den sich notgedrungen nun militärisch formierenden Hussiten - so werden sie von außen genannt -, selbst benennen sich die radikalen und militärisch organisierten Kräfte wegen ihres Hauptsitzes in Tabor: Taboriten, zurückgeschlagen. Dabei gab es heftige Debatten über die Frage nach der Gerechtigkeit von Verteidigungskriegen. Auch diese Frage nach der Sünde von Gewaltanwendung lässt die böhmische Reformation nicht los. Mikulas aus Pelhrimov[2] der Bischof des radikaleren Flügels, der Taboriten, ohne apostolisches Zertifikat, sieht die verteidigende und dann ja auch angreifende Gewalt der Hussiten, die den Krieg von ihrem Boden weg haben wollten, als unvermeidbar, aber als Sünde und kehrt am Ende seines Lebens, zur Gewaltfreiheit der Anfänge der Bewegung zurück. So auch die Böhmischen Brüder deren erster Theologe Petr Chelcicky[3] radikal gewaltfrei dachte und lebte. Deren in diesem Zeitabschnitt letzter von der Gegenreformation vertriebener Bischof Comenius entwarf vor diesem Hintergrund im und nach dem verheerenden 30jährigen Krieg Konzepte europäischer Friedensversammlungen, z.B. einer allchristlichen und eine visionäre Pädagogik[4].  

Eine vergessene Reformation, eine deren Wahrheit in der deutschen Kirchen-Geschichtsschreibung nicht gesucht wurde. Heinz Schilling der bekannte Luther-Biograph sagte vor zwei Jahren unwidersprochen bei einer Luther-Konferenz in Berlin: Die Böhmische Reformation sei nach Hus vorbei gewesen: ein Strohfeuer.
Wer schreibt, der bleibt. Was eine Ignoranz der Unberührtheit und der Selbstidealisierung.

Kern der Böhmischen Reformation ist das Gesetz Gottes, und damit das aus dem Glauben kommende Handeln. In der deutschen Reformation herrschte das Prinzip „Allein aus Glauben“, das ein komplexes oder auch gebrochenes Verhältnis zum Tun hat.

Aber wie liest sich das Gesetz Gottes?

Zu der Auslegung der Schrift erleben wir nicht nur damals sondern immer wieder neu den Streit der Wahrheitssucher, so auch in Sachen Matthäus und Bergpredigt.

Jesus geht auf den Berg – hier sehen wir, was im Neuen Testament immer gilt – der Wahrheitsraum dieser griechischen Schrift ist die hebräische Schrift, das Neue Testament lebt im Alten Testament, in der hebräischen Bibel. Ein zentraler Gedanke auch für die Böhmische Reformation, die beiden Teile der Bibel gehören zusammen und der Begriff des Gesetzes ist dabei zentral, wie auch die Auslegung des Gesetzes durch Jesus.

Es geht nicht um die Überbietung der Tora: „Denkt nicht ich sei gekommen, das Gesetz und die Propheten aufzuheben – bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht der kleinste Buchstabe des Gesetzes vergehen.“ Nein, in der Abwertung des jüdischen Glaubens liegt keine Wahrheit, nicht in der leider so lutherisch deutschreformatorischen Tradition der Verzerrung des Gesetzes als Instrument der Selbstrechtfertigung, als drückende Last ohne Gnade. Eine lange Tradition noch nicht zu Ende, einer Tradition die selbst so viel Last der Moral auf die Schultern und andere Körperteile ihrer Umwelt geladen hat. Wir Protestanten konnten nicht glauben, dass das Gesetz eine Freude, eine Weisung zum Leben aus Gnade gegeben ist. Das haben wir durch viel neues offeneres Lesen und die Geschichte gelernt, leider noch nicht die Mehrheit.

Hören wir den Schriftgelehrten Matthäus.

„Selig sind die geistig Armen, denn ihrer ist die Himmelsherrschaft.“

Die Armen, sie sind biblisch ein wichtiges Zentrum, sie und die Witwen und Waisen und die Fremden sind Ziele der Zuwendung des Gottes Israels, hungern und dürsten nach Gerechtigkeit und werden den Gerechtigkeit suchenden, werden uns ans Herz und auf die Tasche gelegt. So auch in der Böhmischen Reformation.

Aber was sind nun geistig Arme. Da scheiden sich die Geister. Ja geht es also gar nicht um materielle Not, sondern um das Wissen, dass wir vor Gott Bettler sind auf seine Geschenke im Geiste angewiesen? Seht ihr, es ist nicht Materie, nicht Buchstabe sondern Geist! Egal wie viel wir haben, hier zählt die innere Einstellung. Ist das so? Könnte es sein, dass wir mit solcher Lesart der Option für die Armen, die auch bei Matthäus zu finden ist, ausweichen wollen.

Was kann es bedeuten, arm im Geiste? Vielleicht ist bewusster, also geistlicher Verzicht auf Reichtum gemeint. Das klingt zusammen mit der Geschichte vom reichen Jüngling, der nur durch Reichtumsverzicht das Reich Gottes erlangen wird. Das würde den Text noch stärker auf uns zielen. Es ginge dann um eine Geisteshaltung, die auch sich materialisiert, die materielle Wirklichkeit wird. So gelesen ahnen wir, dass auch wir weder als Kirche noch als einzelne unberührt bleiben dürften.

Nun und was hat es mit dem Selig auf sich: klingt es nicht sphärisch, himmlisch im weltabgewandten Sinne, also leicht abgehoben, nicht von dieser Welt? Wir stoßen hier auf ein weiteres Wahrheitsproblem. Das Übersetzen. Übersetzen als die Kunst des Über-setzens von einem Ufer zum anderen, einer Sprachwelt zum Ufer einer anderen. Was wissen wir schon, wie Menschen das früher gehört haben, das holperige Griechisch des Matthäus, der offenkundig eher hebräisch/aramäisch sprach. Das Wort das wir aus Seligpreisungen der hebräischen Bibel kennen, das übersetzt Buber mit Glück „O Glück des Mannes, der nicht ging im Rat der Frevler“ Ps 1,1

Das hört sich in der Bergpredigt dann so an:

Glücklich sind die geistig Armen, denn ihrer ist die Himmelsherrschaft. Glücklich sind die Trauernden

Glücklich sind die Gütigen, Glücklich sind die nach Gerechtigkeit hungern und Dürsten

Ein ganz anderer Ton, weniger beschaulich, voller Lebenskraft. Doch wieder: So höre ich es. Manche finden es vielleicht gar blasphemisch das Wort Glück in diesen Heiligen Text einzutragen.  Natürlich müssen wir unsere Perspektiven, unsere Wahrheiten prüfen lassen, in der Schrift und auch im Gespräch miteinander.

Hört noch mal:

Glücklich sind die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden,

Glücklich sind die aufrichtigen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen

Glücklich sind die die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes heißen

Glücklich die, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn ihrer ist das Himmelreich.

Jesus sammelt hier viele Verheißungen aus der hebräischen Bibel „das Land erben, die Trauernden trösten, Kinder Gottes sein“ zusammen. Er verdichtet sie, um neuen Schwung in die Botschaft zu bringen. Das Reich Gottes ist nahe, die Verheißung ist Glück in Frieden und Gerechtigkeit, Gott ist in all eurem Tun, in eurem Trauern und im dem Frieden nachjagen, in der Verfolgung und im Trachten nach der Gerechtigkeit. 

Glück?! Ist das nicht zynisch angesichts der Weltlage, dem Mord an Jan Hus, dem Mord an so vielen, dem Elend der Geflüchteten…

Schauen wir in die Gesichter der weniger werdenden Helferinnen und Helfer. Neben der Erschöpfung sehen wir da auch Erfüllung, Glück der Begegnung mit anderen, Glück darüber, dabei sein zu können, dieser Katastrophe und auch denen zu trotzen, die das christliche Abendland in sein Gegenteil oder auch die schlechteste Seite seiner Geschichte zurück führen wollen? Dagegen sind die hasserfüllten Gesichter der Pegidisten und Abendlandsverteidiger, der Angreifer nicht glücklich. Sie reden ja auch dauernd von ihrer Angst. Aus dieser Angst kommt kein Frieden, wenn es denn überhaupt Angst ist und nicht Herrschsucht.

Glücklich sind die, die an ihre Grenzen, an die Grenzen der gesellschaftlichen Herrschaftssicherungen gehen. Diese Grenzerfahrungen machen demütig, weil wir die Begrenztheit unserer Möglichkeiten sehen, aber sie machen eben auch glücklich, weil wir erfahren, dass etwas geht, wo wir dachten, da geht nichts mehr.

Das Erben des Landes ist Zukunft, aber eben schon hier auch erfahrbar, wie die Kindschaft, momenthaft das Himmelreich. Die Bergpredigt macht deutlich: es ist keine billige Gnade einerseits und doch ist sie umsonst. Gott sucht uns mit dieser Gnade, er sucht uns, er wirbt um uns, er spricht uns Mut zu auf dem radikalen Weg der Durchsetzung seiner Gerechtigkeit und seines Friedens.

Diesen Mut brauchen wir und nicht die Angst, dass sich etwas verändert. Ja, dieses Land, dieses Europa wird ein anderes werden, wie schon so oft, auch und tief greifend zu Reformationszeiten, das letzte Mal dramatisch vor 27 Jahren. Es ist spannend und spannungsreich und nicht einfach nur schön, vielleicht sogar mühsam, oder schmerzhaft. Aber das gehört für jene die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit zum Weg dazu. „O Glück des Mannes, des Menschen der nicht sitzt im Rat der Frevler, den Weg der Sünder nicht beschritt, am Sitz der Dreisten nicht saß.“

Glücklich sind alle, die suchen nach Wahrheit, Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit, Frieden, die ihre Grenzen dehnen und wissen dass sie werden und nicht sind. Das könnte uns auch in Widerspruch mit denen bringen, die regieren oder kirchenleitend sind. Mögen unsere Kirchen glücklich werden!

Könnte Kirche so sein wie die hussitische Flagge, die weht wo sie will, auch wenn darunter nicht immer Wahrheit wohnt, ruft sie sie in unsere dunkle Welt. Die Wahrheit wird siegen, auch wenn oder weil wir sie nicht genau kennen, sondern Suchende sind, suchende im Tun, im Herzen, im Hören auf die Weisungen, das befreiende Gesetz Gottes.

Amen.


[1] Im Gottesdienst wurden die 4 Prager Artikel als Bekenntnis verlesen: 1420/21 präsentierten die Hussiten ihr zentrales Programm, die sog. "Vier Prager Artikel": Abendmahl in beiderlei Gestalt; Freiheit der Predigt des Gotteswortes; Verzicht der Kirche auf ihre weltliche Macht sowie Säkularisation des kirchlichen Besitzes; Bestrafung öffentlicher schwerer Sünden der Geistlichkeit wie Wucher, Luxus oder Simonie.

[2] Nikolaus von Pelgrims (tschechisch Mikuláš z Pelhřimova, auch Nicolaus Pilgramensis, Mikuláš Biskupec z Pelhřimova) (* etwa 1385 in Pelhřimov; † 1460 in Poděbrady) war ein tschechischer Bischof und Verfasser der Confessio Taboritarum..1409 legte er unter Jan Hus seine Bachelorprüfung an der Prager Universität ab. Bald sympathisierte er mit den Taboriten, die ihn 1420 zu ihrem Bischof wählten. In dieser Position nahm er an Verhandlungen mit anderen Hussiten-Gruppierungen teil und verteidigte seine Lehre gegenüber den konservativeren Prager Magistern.1432 nahm er als Botschafter der böhmischen Seite am Konzil von Basel teil. Nach der Niederschlagung der Taboriten 1452 wurde Nikolaus inhaftiert, zunächst in der Prager Altstadt gefangen gehalten und nachdem er Jan Rokycana die Gefolgschaft verweigerte, in mehreren Gefängnissen des Georg von Podiebrad interniert. Er starb im Gefängnis in Podiebrad.

[3] Petr Chelčický (deutsch Peter von Cheltschitz), auch Peter von Záhorka, (* wahrscheinlich um 1390 in Chelčice bei Vodňany; † um 1460 in Chelčice) war ein tschechischer Laientheologe, Reformator und Schriftsteller. Er gilt als geistiger Vater der Unität der Böhmischen Brüder (Jednota bratrská/Unitas Fratrum).
Seit 1420 zurückgezogen auf seinem Gut in Südböhmen lebend entwickelte Chelčický in diversen Traktaten und Abhandlungen in alttschechischer Sprache, beeinflusst von John Wyclif (1330–1384), eine radikal pazifistische Vision des Christentums, die er aber durchaus streitlustig und bildreich in seinen Schriften ausführte. So verglich er Kaiser und Papst mit zwei mächtigen Walfischen, die das Fischernetz des Apostel Petrus zerrissen hätten. Er lehnte jegliche Machtausübung und Gewalt in der Kirche ab, ebenso deren Besitz. Er begründete diese Auffassung mit der als Fälschung erkannten konstantinischen Schenkung. Er erstrebte eine Rückkehr zum Urchristentum, postulierte die Gleichheit aller Christen, rief zu freiwilliger Armut auf, lehnte das Mönchstum ab, sprach sich gegen die Wehrpflicht aus und lehnte den Eid ab. Er kritisierte die damalige ständische Gesellschaftsordnung der Grundherrschaft und Erbuntertänigkeit. Chelčický starb zwischen 1452 und 1460.

[4] In seinen didaktischen Werken forderte Comenius eine allgemeine Reform des Schulwesens mit einer Schulpflicht für Jungen und Mädchen aller Stände mit einer einheitlichen Schulbildung bis zum 12. Lebensjahr. Er forderte gleiche Bildungszugänge für Jungen und Mädchen, Anschaulichkeit und Strukturiertheit des Unterrichts und dessen Bezug zum Alltag.