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Predigt über Erasmus vom Rotterdam (Pfr. Dr. J. Kaiser) vom 13.11.2016

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Röm 7,14-25:

14 Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist; ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft.

15 Denn ich weiß nicht, was ich tue. Denn ich tue nicht, was ich will; sondern was ich hasse, das tue ich.

16 Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, stimme ich dem Gesetz zu, dass es gut ist.

17 So tue ich das nicht mehr selbst, sondern die Sünde, die in mir wohnt.

18 Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht.

19 Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.

20 Wenn ich aber tue, was ich nicht will, vollbringe nicht mehr ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt.

21 So finde ich nun das Gesetz: Mir, der ich das Gute tun will, hängt das Böse an.

22 Denn ich habe Freude an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen.

23 Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das widerstreitet dem Gesetz in meinem Verstand und hält mich gefangen im Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.

24 Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem Leib des Todes?

25 Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn!

 

Aus dem Enchiridion militis christiani, aus dem Handbuch des christlichen Streiters von 1503 des Erasmus von Rotterdam:

Damit du mit möglichst sicherem Schritt zur Seligkeit hinstreben kannst, sei dies für dich die vierte Regel, daß du dir Christus als das einzige Ziel deines ganzen Lebens vorsetzest. Auf dies Ziel allein richte allen Eifer, alle Bemühungen, jede Muße und Beschäftigung.

Christus sollst du aber nicht für einen bloßen Namen erachten, sondern für nichts anderes als Liebe, Aufrichtigkeit, Geduld, Reinheit, kurz für alles das, was er gelehrt hat. Den Teufel begreife als nichts anderes, als alles, was dich davon ablt.

Zu Christus strebt, wer zur Tugend allein hingezogen wird. Dem Teufel gibt sich hin, wer den Lastern dient.

Lauter sei also dein Auge, so wird dein ganzer Körper licht sein [Mt 6,22]. Nur auf Christus als das einzige und höchste Gut soll es schauen, so daß du nichts liebst, nichts bewunderst, nichts erstrebst außer Christus oder um Christi willen. Nichts sollst du hassen, vor nichts zurückschaudern, nichts fliehen aer allein die Schändlichkeit oder wegen der Schändlichkeit. Das wird deinen Lohn vermehren, was immer du auch tun magst: ob du schläfst oder wachst, ob du ißt oder trinkst, sogar deine Spiele und Me, ja, ich chte so weit gehen zu sagen, auch gewisse kleinere Laster, in die wir manchmal verfallen, hrend wir zur Tugend eilen.

Wenn aber dein Auge böse ist, und du anderswohin blickst als auf Christus, wird es unfruchtbar oder gar schädlich sein, auch wenn du etwas Rechtes tun wirst.[1]

 

Liebe Gemeinde,

erste Begegnungen sind prägend. Vom Eindruck, den man da gewonnen hat, kommt man kaum mehr los. Da ich nicht auf einem humanistischen Gymnasium war, begegnete ich Erasmus von Rotterdam erstmal an der Theologischen Fakultät. Damals war er schon ein berühmter Mann, etwa 56 Jahre alt und in einer heftigen Auseinandersetzung mit Luther begriffen, der eine halbe Generation jünger, auch schon sehr von sich reden machte. Luther hat gewonnen. An der Fakultät, an der ich zuerst studierte, hat Luther immer gewonnen. Für ihn also ein Heimspiel.

Aber heute will ich Erasmus stark machen. Ob es mir am Ende gelingen wird? Erste Begegnungen sind prägend – ein Leben lang.

Mit Erasmus von Rotterdam sind wir am Ende unserer kleinen Predigtreihe zu reformatorischen Gestalten vor der Reformation angelangt und schon mitten drin in der Reformation, denn die beiden, Erasmus und Luther, waren Zeitgenossen. Sie sind sich nie persönlich begegnet und haben nur einmal direkt aufeinander Bezug genommen. Das endete Seitens Luthers mit einem Paukenschlag, der so laut war, dass ab da alle Welt wusste: Humanismus und Reformation sind nicht das gleiche.

Humanisten und Reformatoren, Erasmus und Luther - am Anfang schienen sie sich in Vielem einig.

Die Kritik an den kirchlichen Zuständen dieser Zeit ist keine Erfindung Luthers. Viele haben vor ihm bereits etwa die Absurditäten des Ablasses moniert und viele weitere Missstände beklagt. Auch die Humanisten. In einem seiner populärsten Werke, dem Lob der Torheit, schien Erasmus es 1509 schon nicht mehr für nötig befunden haben, auf dieses Unwesen näher einzugehen: „Was soll ich noch von jenen sagen, die sich mit trügerischem Ablass in Sicherheit wiegen und die Fegefeuerstrafen gleichsam mit der Wasseruhr mathematisch genau nach Jahrhunderten, Jahren, Monaten, Tagen und Stunden abmessen?“[2] In ähnlichem Ton schreibt er über die Heiligenverehrung und macht sich über die scholastische Theologie lustig. Er wirft den Theologen, „diesem Kraut ‚Rührmichnichtan“[3], Reizbarkeit und Eitelkeit vor. „Sie drohen mit dem Bannstrahl, wem sie nicht gewogen sind“ und werden nur wach bei den unsinnigsten Fragen: „…von welchem Augenblick an im Leibe der Jungfrau Christus wirklich vorhanden war, … ob in Christus mehrere Sohnwerdungen sind, … ob Gott die Substanz eine Weibes, eines Teufels, eines Esels, eines Kürbis hätte annehmen können, wie der Kürbis dann etwa gepredigt, wie er Wunder gewirkt hätte und ans Kreuz wäre zu schlagen gewesen.“[4] Und so weiter.

Erasmus übt scharfe Kritik an Theologen, Priestern, Mönchen, dem ganzen Klerus, den Bischöfen und Kardinälen und auch dem Papst.

Auffällig ist der Ton. Das ganze Werk „Lob der Torheit“ ist ironisch. Ironie aber ist die Waffe der Intellektuellen. Wer in ironischer Weise über etwas spottet, bringt eine überlegene Distanz zum Ausdruck. Zwar zieht Erasmus alle durch den Kakao, aber es ist ihm nie in den Sinn gekommen, die katholische Kirche insgesamt infrage zu stellen.

Erasmus wollte zum Kern zurück, zu Christus und seiner Lehre. Zurück zu den Ursprüngen, das ist das Anliegen des Humanismus – und teilweise auch der Anspruch der Reformation. Fast alle Reformatoren sind in diesem Punkt vom Humanismus geprägt, Melanchthon, Zwingli, um nur zwei wichtige zu nennen. Der Weg zurück ist der Weg zu den Quellen, zur Bibel, insbesondere zum Neuen Testament und zu den alten Theologen, zu den Kirchenvätern, allen voran zu Hieronymus und zu Augustin.

Erasmus gab 1516, also vor 500 Jahren ein griechisches Neues Testament heraus auf der Basis von drei Handschriften aus dem 12. Jh. mit einer lateinischen Übersetzung von ihm. Er schuf damit die Grundlage für alle Übersetzungen, auch für diejenige Luthers. Unermüdlich veröffentlichte er auch Neuausgaben der Kirchenväter. Es ist diese philologisch wissenschaftliche Arbeit, die den Humanisten auszeichnen.

Zurück zu den Ursprüngen. Kritik am Ablass, an der Heiligen- und Reliquienverehrung, am Opferwesen der Messe, Überwindung des scholastischen Traditionalismus, Engagement dafür, dass jeder selbst die Bibel soll lesen können – so vieles, was Luther und Erasmus eint. Wieso brach der eine mit der Kirche und der andere nicht? Wieso wurde der eine Reformator und der andere blieb Humanist?

Noch 1518 äußerte sich Erasmus wohlwollend zu Luthers Ablasskritik, doch bald schien ihm Luthers Vorgehen übereilt. Immer deutlicher offenbarte sich, dass die beiden in ganz verschiedenen Welten lebten.

Erasmus lebte in seiner Bildungswelt. Das war vor allem die Antike. Alle seine Schriften sind voller antiker Anspielungen, gleich zu welchem Thema er sich äußerte. Im Grunde verdankt er einer nicht aus der Bibel, sondern letztlich aus dem spätantiken Platonismus herrührenden Geisteshaltung die Fähigkeit, innerlich auf Distanz zu all dem gehen zu können, was ihn an der Kirche stört. Erasmus unterschied zwischen der sichtbaren Welt und der geistigen Welt. Und er fand, das müsse jeder tun. Da Gott Geist sei, müssen man lernen, die sichtbare Welt zu verlassen und schon jetzt die Welt Gottes, die geistige Welt zu betreten.

Der gebildete Mensch hat also ein Mittel gefunden, sich aus einer Welt, die ihm fremd geworden ist, zurückzuziehen und dabei diesen Rückzug als vorbildlich und erstrebenswert hinzustellen. Die Bildungsbürger sind die wahren Kinder des Humanismus.

Zwar kann auch Erasmus scheinbar fromm von Jesus Christus reden. Was wir vorhin aus dem Handbuch des christlichen Streiters hörten, klingt zunächst beinahe pietistisch. Christus ist das Ziel des Lebens. Aber wo Luther dann von Sünde, Tod und Teufel redet, die Christus besiegt hat, spricht Erasmus von der Tugend und dem Laster. Wo es bei Luther um Leben und Tod geht, wenn er von Christus redet, geht es bei Erasmus um gut und böse.

Erasmus kann sich in den Elfenbeinturm der gesitteten Bildung zurückziehen. Das kann Luther nicht. Seine Welt sieht anders aus – viele düsterer. Sie ist voller Teufel, die in jeden Elfenbeinturm klettern. Bildung schützt nicht.

Die Unterschiede mussten irgendwann in einen offenen Konflikt ausbrechen.

1524 veröffentlichte Erasmus eine Schrift, die direkt gegen Luther gerichtet war, weniger aus eigenem Antrieb, sondern um sich von Luther zu distanzieren, weil ihn seine Gegner als Anhänger Luthers brandmarken. Er verfasste eine Untersuchung über den freien Willen, De libero arbitrio. Was auf den ersten Blick nur wie eine interessante philosophische Erörterung aussieht, die Frage, ob der Wille des Menschen frei sein oder nicht, ist in Wahrheit ein Stoß ins Herz von Luthers und überhaupt jeder reformatorischen Theologie. Schon aus früheren Schriften Luthers konnte Erasmus ahnen, dass dieser die Freiheit des menschlichen Willens vehement bestreiten würde. Es geht Luther dabei nicht um einen psychologischen oder gar neurologischen Befund, nicht um die alltägliche Wahlfreiheit. Es geht ihm einzig um die richtige Verhältnisbestimmung zwischen Gott und Mensch, also um eine theologische Sache. In Bezug auf sein Seelenheil kann der Mensch von sich aus nicht das Geringste beitragen. In diesem Punkt ist Gott der allein aktive, der Mensch der ganz passive Part.

Erasmus befragt die Bibel über die aufgeworfene Frage und stellt fest, dass sie keine eindeutige Aussage zulässt, ob der Wille frei sei oder nicht. Wenn aber die Schrift keine eindeutige Antwort gibt, sei man gut beraten, an der Freiheit des Willens festzuhalten. Sonst könne der Mensch ja nicht mehr auf seine moralische Verantwortbarkeit hin angesprochen werden.

Das ist ein nachvollziehbares Argument. Aber hier wie in vielen anderen Schriften zeigt sich, dass Erasmus und der Humanismus ein ganz anderes Menschenbild haben als die Reformatoren. Im Grunde nämlich sind sie bildungsbürgerliche Moralisten. Wenn man sich ein bisschen anstrengt und sich bildet, kann man – mit Gottes Hilfe – klar – das moralisch Gute tun. Luther und alle seine Kollegen haben dagegen von der theologischen Tradition das pessimistische christliche Menschenbild übernommen: Der Mensch ist von Grund auf korrumpiert. Er hat jede eigene Fähigkeit zum Guten verloren.

Luther antwortet auf Erasmus De libero arbitrio programmatisch mit De servo arbitrio, vom geknechteten Willen. Der Wille des Menschen sei wie ein Reittier. Entweder wird er von Gott geritten oder vom Teufel. Tertium non datur. Der Mensch wird immer durch eine höhere Macht bestimmt, er ist immer ein Besessener. Entscheidend ist, den richtigen Reiter zu haben. Moralisch verantwortlich handeln kann er nur, wenn er voll und ganz von Gott bestimmt, geritten wird.

Auch sei die Schrift keineswegs unklar. Wenn etwas an ihr unklar ist, dann, weil wir es nicht recht verstehen, aber an sich und in allem Wesentlichen sei die Schrift vollkommen klar und eindeutig.

Es geht in dieser Auseinandersetzung um viel mehr als bloß um die Frage des Willens. Hier treffen zwei grundverschiedene Geisteshaltungen aufeinander: Wissenschaft und Glaube, redliches Bemühen und religiöse Überzeugung, Humanismus und Reformation – in gewissem Sinne sogar: Moderne und Mittelalter.

Schon Gattung und Stil der Schriften sind bezeichnend. Erasmus nennt seine Schrift eine diatribä, eine Untersuchung, Unterredung, Erörterung. Luther antwortet mit einer assertio, einer Vergewisserung. Erasmus eröffnet einen wissenschaftlichen Diskurs und Luther antwortet mit einer Predigt und beschließt seine Antwort so: „Ich habe in diesem Buch nicht Ansichten ausgetauscht, sondern ich habe feste Erklärungen abgegeben und gebe feste Erklärungen ab. Ich will auch keinem das Urteil überlassen, sondern rate allen, dass sie Gehorsam leisten. Der Herr aber, um dessen Sache es geht, erleuchte dich und mache dich zu einem Gefäß zu seiner Ehre und Herrlichkeit. Amen.“[5] Das ist deutlich.

 

Liebe Gemeinde, erste Begegnungen sind prägend. Bei mir hat Luther gewonnen, obwohl ich einräume, dass mir Erasmus freundlichere und leisere Töne sympathisch sind. Ich stand einmal vor der Entscheidung: an der Uni bleiben oder Pfarrer werden, wissenschaftlich zu arbeiten oder zu predigen, diatribä oder assertio? Wie Entscheidung ausgefallen ist, sehen sie. Bei mir hat Luther gewonnen, also das Predigen, die Behauptung, die steilen Thesen, die manchmal gewagten Worte, hoffentlich auch die Zuversicht, die Hoffnung und der Trost und gewiss das Amen am Schluss.

Historisch aber hat Erasmus gewonnen. Der Versuch, den Menschen durch Bildung zu bessern, hat sich durchgesetzt gegenüber der Hoffnung, eine allein auf Gott vertrauende Menschheit werde die Welt retten. Auch in Kirche und Theologie hat Erasmus gewonnen. Das gemeinsame Suchen, die diatribä, hat den Dogmatismus, die assertio, abgelöst. Wir bevorzugen die leisen Töne.

Das ist nicht schlecht. Die Dogmatisten und Polterer des Heils haben oft genug Unheil gestiftet.

Und trotzdem ist mit Leisetreterei die Sehnsucht nach Gewissheit nicht zu stillen. Wir gehen auf das große Reformationsjubiläum zu. Ich fürchte, am Ende wird von unserem großartigen theologischen Erbe nicht viel mehr übrig bleiben als die Botschaft: Seht, wir sind nett und lustig, bunt und tolerant. Und die Menschen bleiben mit ihrer Sehnsucht nach Gewissheit weiterhin allein.

Die Frage der Gewissheit ist für Luther die alles entscheidende. Gewissheit gibt es nur von Gott. Der Mensch ist der Risikofaktor. Deshalb kann Hoffnung nie in uns selbst begründet sein. Sie ist allein auf Gott begründbar. Nichts ist verlässlich, was von Menschen kommt. Alles ist verlässlich, was von Gott kommt.

 

Liebe Gemeinde, wir sind am Ende unserer kleinen Predigtreihe über die sogenannten Vorreformatoren. Sie hat gezeigt: Es gab schon lange vor Luther und seinem Thesenanschlag Kritik am Ablass und an vielen Missständen in der Kirche. Warum all diese Erneuerungsrufe weder zu einer Erneuerung der Kirche noch zur Kirchenspaltung geführt haben, bleibt ein Rätsel der Geschichte. Vielleicht war erst zu Beginn des 16. Jahrhunderts die Zeit reif.

Mit Erasmus sind wir an die Reformation herangerückt. Doch eigentlich hat er sie übersprungen, greift mit seiner ganzen Haltung, mit seiner Intellektualität, seiner ironischen Distanziertheit, seiner Skepsis weit in die Moderne hinein, in eine Zeit also, der die Gewissheiten abhanden gekommen sind.

Es gelingt kaum noch, diese gestorbenen Gewissheiten wenigstens in unseren Predigten wieder auferstehen zu lassen. Wenn es ihr gelingen soll, dann doch nur so, dass die Predigt tut, was sie tun soll: auf das Wort Gottes zurückweisen, die Worte der Heiligen Schrift bezeugen.

Darum soll diese Predigt, damit sie am Schluss endlich eine solche wird, mit dem Wort der Schrift schließen. Im 7. Kapitel hörten wir, wie Paulus an der Macht des menschlichen Willens zweifelt, ja fast verzweifelt und in dieser Verzweiflung sein einzige Hoffnung in Christus gefunden hat. Und im 8. Kapitel jubelt er den ganzen Trost und die ganze Gewissheit, die er darin gefunden hat aus – für uns:

Ich lese aus der neuen Lutherübersetzung, in der die kräftige Sprache Luthers und die philologische Bemühen Erasmus zusammenfinden:

Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind. Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen; die er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht.

Was wollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja mehr noch, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und für uns eintritt. Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert?

Wie geschrieben steht (Psalm 44,23): »Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe.« Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. (Röm 8,28-39)

Amen.


[1] Heike A. Oberman (Hg.), Die Kirche im Zeitalter der Reformation, 19883, S.26

[2] Lob der Torheit, Reclam UB 19036, S.59

[3] Ebd. S.80

[4] Ebd. S.81

[5] Zitiert nach Volker Leppin, Martin Luther, Darmstadt 2006, S.255f