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Predigt über 2.Kor 9,6-8.15 (Pfrin. M. Waechter) vom 02.10.2016

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6 Denkt daran: Wer wenig sät, wird auch wenig ernten. Und wer reichlich sät, wird reichlich ernten.

7 Jeder soll für sich selbst entscheiden, wie viel er geben möchte, und soll den Betrag dann ohne Bedauern und ohne Widerstreben spenden. Gott liebt den, der fröhlich gibt.

8 Er hat die Macht, euch mit all seiner Gnade zu überschütten, damit ihr in jeder Hinsicht und zu jeder Zeit alles habt, was ihr zum Leben braucht, und damit ihr sogar noch auf die verschiedenste Weise Gutes tun könnt.

15 Dank sei Gott für das unbeschreiblich große Geschenk, das er uns gemacht hat!

Gott schenkt. Gott schenkt die Äpfel und Birnen, das Korn und die Möhren. Am Erntedanksonntag ist die Kirche geschmückt mit Erntegaben. Gott schenkt. Gott breitet Himmel und Erde vor uns aus wie einen Teppich (Ps 104) und schenkt uns das Leben, die Luft, das Wasser. Er schenkt den Glauben, die Liebe und die Hoffnung. Er schenkt die Ideen, das Lachen und die Zeit. Und er schenkt die Kinder. Kinder wie Z. und I.

So reich beschenkt und erfüllt von Gottes Gaben wollen wir Gott danken. Für die Äpfel und Birnen und Erntegaben, für das Leben und die Liebe und die Kinder. Ein Taufgottesdienst ist auch immer ein Fest der Dankbarkeit. Wenn ein Kind geboren wird, strömen die Eltern über vor Dankbarkeit. Die Dankbarkeit für Z.s kleines Leben trägt uns alle durch diesen Gottesdienst. Und auch wenn I.s Geburt schon länger zurückliegt, - ihre Eltern können sich ganz gewiss genau erinnern, -  so ist dieser Gottesdienst auch für sie ein Fest der Dankbarkeit: dass sie in der Gemeinde einen Ort gefunden hat, an dem sie sich zuhause fühlt, dass sie spürt, dass sie ein geliebtes Kind Gottes ist und selber gesagt hat: Ich möchte getauft werden. – Nun danken wir alle Gott mit Herzen, Mund und Händen.

Nachher am Ausgang werden wir eine Kollekte sammeln. Wie jeden Sonntag. In der Metallbüchse für die eigene Gemeinde, in der Holzbüchse für Projekte der Landeskirche. Manche Besucher, die nur selten in einen Gottesdienst gehen, mokieren sich: Was, jetzt sollen wir am Ausgang auch noch bezahlen? Da wird einem der Sammelkorb vor die Nase gehalten. Immer muss man Geld geben. Diese gierige Kirche. Was soll das?

Paulus spricht vom Säen und Ernten: „Denkt daran: Wer wenig sät, wird auch wenig ernten. Und wer reichlich sät, wird reichlich ernten“ und von der Dankbarkeit: „Dank sei Gott für das unbeschreiblich große Geschenk, das er uns gemacht hat!“ . So wie wir. Aber er feiert kein Erntedank- und auch kein Tauffest. Paulus spricht von der Kollekte:  „Jeder soll für sich selbst entscheiden, wie viel er geben möchte“. Ganz ausführlich bittet er in diesem Brief die Gemeinde in Korinth, Geld zu sammeln für die verarmte Gemeinde in Jerusalem.  „Jeder soll etwas spenden. Gott liebt den, der fröhlich gibt.“ Paulus verbindet das Säen und Ernten und die Dankbarkeit mit der Bitte, Geld zu spenden, zu teilen, eine Kollekte zu geben.

Wenn wir unsere Kollekte am Ausgang sammeln in der Holzbüchse und in der Metallbüchse, dann ist das kein kleines verschämtes Anhängsel am Ende des Gottesdienstes. Natürlich muss man für den Gottesdienst auch nicht bezahlen und es geht der Kirche auch nicht immer nur ums Geld. Vielmehr ist die Kollektensammlung seit Beginn der Christenheit, seit Paulus Aufruf an die Korinther, ein Akt der Solidarität. Und sie ist zu einem Teil der gottesdienstlichen Liturgie geworden. Dabei geht es nicht nur darum, ein paar Groschen für die Reparatur eines kaputten Kirchendachs zu sammeln. Vielmehr ist die Kollekte Ausdruck des größeren Zusammenhangs des Säens und Erntens, der Gaben und der Dankbarkeit.

Reich beschenkt und erfüllt von Gottes Gaben wollen wir Gott danken. Erfüllt von Dankbarkeit spüren wir den Impuls, diese Dankbarkeit teilen zu wollen. So wie Z.s Eltern und I. mit ihrer Familie. Sie sind erfüllt von Dankbarkeit und teilen sie mit uns in diesem Gottesdienst. Erfüllt von der Dankbarkeit für die Fülle des Lebens und den Geschenken Gottes wollen wir diese teilen.

Doch ich höre Einwände: Ich habe doch gar nicht so viel, dass ich teilen kann. Ich habe die Fülle des Lebens nicht. Und genug Geld, um viel zu spenden schon gar nicht.

Natürlich hat niemals ein Mensch immer von allem im Überfluss. Aber ich glaube, wir alle haben etwas zum Teilen. Die einen geben nicht viel in die Kollekte, aber bringen einen Salat zum „Repas“ mit. Die anderen können keinen Salat mehr machen, aber von ihrer Hoffnung und ihrem Glauben erzählen. Die nächsten haben keine Zeit für den Salat und auch nicht zum Erzählen und Zuhören, aber sie können die Kollektenbüchsen füllen.  Die von einigen Menschen verpönte Kollekte am Ausgang des Gottesdienstes, ist eine gute Möglichkeit, Menschen zu erreichen und mit ihnen zu teilen, die weit weg sind. Menschen, für die wir keinen Salat machen und denen wir auch nicht zuhören können.  Was wir empfangen und weitergeben, ändert sich im Laufe eines Lebens. Mal habe ich gute Ideen, die ich mit anderen teilen will, dann bin ich traurig und hilflos und auf andere angewiesen, die mir helfen können.

Wer wenig sät und alles für sich behält, sich zurückzieht und abschirmt, sein Geld, sein Leben, seine Freude, seine Hoffnung, seine Gedanken, der wird auch wenig ernten, der wird wenig zurückbekommen. Aber wer empfängt und sät, weitergibt und  teilt, der wird ernten. So entsteht ein Kreislauf der Gaben Gottes, die er uns geschenkt hat.

„Jeder soll für sich selbst entscheiden, wie viel er geben möchte“, schreibt Paulus. Und ich denke, jeder soll auch entscheiden, was er geben möchte. Die Kollekte am Ende eines Gottesdienstes ist nur eine Möglichkeit unter vielen. Die Kollekte steht stellvertretend für das Teilen, Geben und Säen. Am Ende des Gottesdienstes, bevor es wieder hinausgeht, bevor Gott uns wieder in den Alltag der Welt entlässt, können wir uns fragen: Was habe ich empfangen? Womit bin ich beschenkt worden? Was möchte ich teilen und abgeben von der Fülle Gottes, die in mir wohnt? Heute denken wir daran, wie viel uns Gott schenkt: Äpfel und Birnen, Hoffnung und Liebe, Himmel und Erde, das Lachen und die Zeit. Und dann ist es nicht nur der Groschen, der in die Büchse fällt, sondern es geht weiter hinaus aus der Kirche in den Alltag hinein. Jeder Tag ist voller Möglichkeiten im Kreislauf der Gaben, die eigene Saat dazuzugeben und Gott mit Herzen, Mund und Händen zu danken.

Und so hat es schon Paulus geschrieben: „Gott hat die Macht, euch mit all seiner Gnade zu überschütten, damit ihr in jeder Hinsicht und zu jeder Zeit alles habt, was ihr zum Leben braucht, und damit ihr sogar noch auf die verschiedenste Weise Gutes tun könnt.“

Amen