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Monatsspruch für September vom 01.09.2018

Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende. (Pred 3,11)

Der Sommer war lang und schön. Bald liegt er hinter uns. Die Tage werden wieder kürzer. Der Herbst steht vor der Tür. Wir leben mit den Jahreszeiten. Wir teilen unser Leben in Jahre ein. Hinter uns liegt eine Vergangenheit, vor uns die Zukunft. Heute wird morgen gestern sein. Das Werden und Vergehen gehört selbstverständlich zu unserem Leben. Anders können wir uns ein Leben nicht vorstellen.
Ewigkeit ist etwas anderes. Ewigkeit ist das Gegenteil von vergehender Zeit, das Gegenteil von der Abfolge von Sommer, Herbst und Winter, von Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, gestern, heute und morgen. Die Zeit fließt dahin. Die Ewigkeit fließt nicht. Die Ewigkeit kennt keine Abfolge. Und weil wir ein zeitloses Leben nicht kennen, ist es so schwierig von der Ewigkeit zu reden.
Der Prediger ist ein Mensch, der die Welt beobachtet. In seinen Beschreibungen der Welt schwankt er zwischen Resignation und freudigem Staunen. Er betrachtet die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft und kommt zu dem Schluss: Was geschehen ist, eben das wird hernach sein. Was man getan hat, eben das tut man hernach wieder, und es geschieht nichts Neues unter der Sonne. (1,9) Und resigniert stellt er fest: Ich sah an alles Tun, das unter der Sonne geschieht, und siehe, es war alles eitel und Haschen nach Wind. (1,14) Das Leben in der Zeit mit seiner Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft frustriert den Prediger. Dieses Leben ist voller Mühen und Anstrengungen und das fortwährende Vergehen bringt Schmerzen und Leiden mit sich. Doch dann blitzen wieder dankbare Momente aus seinen Schriften hervor: Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt.
Wir leben in der Zeit und nicht in der Ewigkeit. Und doch tragen wir in unseren Herzen eine Ahnung davon, was Ewigkeit bedeuten könnte. Ewigkeit ist ein Wort, das Gott beschreibt. Denn Gott lässt sich nicht befristen. Gott unterliegt nicht dem Wandel der Zeit. Ewigkeit ist nicht die Abfolge von Zeiten, sondern erfüllte, göttliche Gleichzeitigkeit.
Der Prediger schreibt, dass Gott dem Menschen die Ewigkeit ins Herz gelegt hat. Wir leben nicht in der Ewigkeit, doch mit der Ewigkeit in unseren Herzen haben wir eine Ahnung davon, was Ewigkeit bedeuten könnte: Die Sehnsucht nach bleibender, zeitloser, nicht vergehender Erfüllung in Gott. Das erhoffen wir uns einst in Gottes Ewigkeit.
Bis es soweit ist und solange wir noch in der Zeit leben, gibt uns der Prediger einen schönen Rat auch für die jetzt kürzer werdenden Tage mit auf den Weg: Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich sein und sich gütlich tun in seinem Leben. Denn ein jeder Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes. (3,12-13) Meike Waechter