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Monatsspruch für Mai vom 01.05.2017

Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt. (Kolosser 4,6)

Ende Mai ist es soweit: Der Kirchentag beginnt! 100.000 Kirchentagsgäste werden wir in Berlin empfangen. Seit vielen Monaten wird in zahlreichen Vorbereitungsgruppen überlegt, diskutiert, entschieden und geplant. Ich hatte das Glück, dass ich in mehreren dieser Vorbereitungsgruppen mit dabei sein und so ganz unterschiedliche Perspektiven auf den Kirchentag, seine zahlreichen Veranstaltungen und die Logistik bekommen konnte. In allen Kirchentagsplanungsrunden habe ich eine große Freundlichkeit erlebt, gepaart mit zupackendem, fröhlichem Engagement. Ich bin überzeugt, dass diese Freude sich durch den ganzen Kirchentag ziehen wird. Die Gäste, die zum Kirchentag anreisen, werden auf freundliche Gastgeber treffen, in den Privatquartieren, in den Schulen, bei den Tagzeitengebeten, bei den unzähligen Veranstaltungen in den Kirchengemeinden der Stadt und beim Abend der Begegnung. Sie freuen sich Gastgeber zu sein, Menschen zu empfangen und sie kennen zu lernen. Sie tragen zur guten Stimmung des Kirchentages bei, die dieses Ereignis für so viele Menschen attraktiv und besonders macht.
Aber der Kirchentag ist keine Wohlfühlveranstaltung. Kein Fest für Friede, Freude, Eierkuchen. Der Kirchentag ist immer mit Salz gewürzt und zwar kräftig. Der Kirchentag spart schwierige Konfliktfelder nicht aus, sondern geht sie offensiv an. Die Themen der  Hauptvorträge sind z.B. „Wie verringern wir weltweit und wirksam die Armut?“, „Wie die Demokratie Streit aushält“ und „Israel und Palästina – der unlösbare Konflikt?“. Der Klimawandel, die Zukunft Europas, Flucht und Migration sind aktuelle, umstrittene Themen, die selbstverständlich ihren Platz auf dem Kirchentag haben. Im Zentrum „Berlin.Zukunft.Kirche“ sind alle Menschen eingeladen, intensiv und kontrovers die Zukunft unserer Kirche zu diskutieren. 
Harte Nüsse, gepfefferte Diskussionen, salzig, bitter, herb – so wird es auf dem Kirchentag zugehen. Damit es nicht bei der Darstellung gegensätzlicher Meinungen bleibt, wünsche ich mir, dass der erste Teil unseres Verses nicht vergessen wird: redet freundlich miteinander. Eine Diskussion muss kontrovers sein, aber sie ist nur weiterführend, wenn respektvoll miteinander geredet wird. Freundlichkeit zeigt sich darin, einander zuzuhören, unterschiedliche Perspektiven ernst zu nehmen und auch sich selbst zu hinterfragen. Wenn das gelingt, sind Diskussionen gewinnbringend.
Friede, Freude, Eierkuchen – das wünsche ich mir nicht für den Kirchentag. Aber nur Salz und Pfeffer würde ich auch nicht aushalten. Das eine geht nicht ohne das andere. Zusammen – freundlich und mit Salz gewürzt – entsteht eine gute Mischung. Wir werden es beim Kirchentag erleben.
Meike Waechter