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Monatsspruch für Mai vom 01.05.2018

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. (Hebr 11,1)

Der Mai ist der Monat der Konfirmationen. Landauf, landab putzen sich Mädchen und Jungen heraus, um sich in einem festlichen Gottesdienst vor der Gemeinde und ihren Familien zum christlichen Glauben zu bekennen. Gemeinsam sprechen sie mit der ganzen Gemeinde die Worte des Apostolischen Glaubensbekenntnisses, die mit den Worten „Ich glaube an ….“ beginnen.
Vor der Konfirmation haben sie den Konfirmandenunterricht besucht. In dieser Zeit lernen sie viel über die Bibel, Gott und Jesus, über den Ablauf eines Gottesdienstes, das Leben in einer Gemeinde und die großen wichtigen Themen wie die Zehn Gebote, das Glaubensbekenntnis und das Unser Vater.
Lernen sie auch zu glauben?
Früher mussten Konfirmanden sehr viel auswendig lernen, viele Bibelstellen, Lieder und den Katechismus. Ihr Wissen mussten sie in einer Prüfung unter Beweis stellen. Haben sie dadurch den Glauben besser gelernt als Konfirmanden heute, die nur wenig auswendig lernen müssen?
Für mich lässt sich der Glaube eines Menschen nicht daran ablesen, wie viele Texte er auswendig kann. Glauben ist etwas ganz anderes, als Worte nachzusprechen.
Der Vers aus dem Brief an die Hebräer drückt sehr schön aus, dass Glauben nichts mit Wissen oder für wahr halten zu tun hat. Andere Worte, die den Glauben umschreiben, sind Zuversicht und Hoffnung. Glauben ist ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.
Wie bringt man Konfirmanden Zuversicht und Hoffnung und Nichtzweifeln bei? Das ist unendlich viel schwerer, als sie etwas auswendig lernen zu lassen.
Ich versuche, im Konfirmandenunterricht den Jugendlichen zu vermitteln, dass die Kirche Raum gibt für ihre Hoffnungen und ihre Zuversicht, die sie in sich tragen. Wir versuchen, Hoffnung und Zuversicht in Worte zu fassen und die Worte der Hoffnung der Bibel  kennen zu lernen. Dabei kann auch das Auswendiglernen von Bibeltexten oder Liedern helfen. Doch es ist auch selbstverständlich, dass diese Worte hinterfragt und überprüft werden dürfen und dass Zweifel dazugehören und ausgesprochen werden müssen. Die Jugendlichen sollen lernen, dass die Kirche der Ort ist, in Gemeinschaft nach Gott zu fragen, über und mit ihm zu sprechen.
Wenn aus diesem Miteinander, dem Lesen in der Bibel, dem gemeinsamen Singen und den Gesprächen Glauben erwächst, wenn die Jugendlichen aus tiefstem Herzen sagen können „Ich glaube …“  - am besten mit ihren eigenen Worten -, dann ist das ein großes Geschenk. Es ist ein Geschenk, das ihnen hilft zu leben, denn Hoffnung und Zuversicht ermöglichen Leben.
Ich wünsche allen Mädchen und Jungen, die bei uns und in anderen Gemeinden konfirmiert werden, dass sie einen Funken dieses Glaubens in ihren Herzen tragen mögen und Gott ihre Konfirmation und ihr weiteres Leben begleitet. Meike Waechter