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Monatsspruch für März vom 01.03.2018

Jesus Christus spricht: Es ist vollbracht ! (Joh 19,30)

Die Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes legen jeweils ihre eigenen Schwerpunkte und ihre eigene Theologie in ihre Berichte über das Leben Jesu. Die größte Übereinstimmung in ihren Evangelien findet sich in der Beschreibung der Kreuzigung Jesu. Alle vier schildern die Kreuzigung ausführlich und detailliert. Trotz der großen Übereinstimmung unterscheiden sie sich wiederum in ganz zentralen Punkten. So überliefern sie unterschiedliche letzte Worte, die Jesus sterbend am Kreuz spricht. Damit legen sie auf diese letzten Worte ein besonderes Gewicht. Die letzten Worte können als Deutung für das ganze Leben Jesu gelesen werden oder als abschließendes Vermächtnis, das gleichzeitig neue Perspektiven eröffnet.
Matthäus und Markus betonen die menschliche Seite Jesu, indem sie seinem Leiden am Kreuz Raum geben. Als letzte Worte überliefern sie den Schrei Jesu, der seine Verzweiflung und Gottverlassenheit zum Ausdruck bringt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Ganz anders der Evangelist Johannes. Er betont Jesu göttliche Seite und seine Souveränität. Bis zum Schluss bleibt er der Handelnde, der das Geschehen beeinflusst und in der Hand hat. So schreibt Johannes: Jesus Christus spricht: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und verschied.
Aus diesen letzten Worten spricht Johannes Perspektive auf Jesu ganzes Leben und Tod. Zwei Aspekte kommen hier zum Ausdruck.
Es ist vollbracht – bezieht sich auf die Sendung Jesu Christi: In seinem Tod vollendet sich die Offenbarung Gottes, von der sein ganzes Leben Zeugnis ablegt.
Es ist vollbracht – beschreibt auch die Vollendung der Liebe Christi zu den Seinen. Jesu Tod ist der Höhepunkt seiner Hingabe. 
Wir wissen nicht, welche Worte Jesus tatsächlich sterbend am Kreuz sprach. Das ist jedoch auch gar nicht entscheidend. Denn die vier Evangelisten geben uns durch ihre unterschiedlichen Interpretationen des Todes Jesu die Möglichkeit, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen. Dadurch wird deutlich, dass sich Jesu Leben und Tod auf vielfältige Art und Weise deuten lässt. Und wir werden herausgefordert, immer wieder zu hinterfragen, welche Deutung uns persönlich wichtig ist.
Meike Waechter