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Monatsspruch für Januar vom 01.01.2019

Gott spricht: Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde. (Genesis 9,13)

Was ist ein Regenbogen? Der Regenbogen, das ist ein buntes Farbenspektakel am Himmel. Das sind Regentropfen, die das Spektrum des Sonnenlichts brechen. Der Regenbogen, das ist auch ein Zeichen Gottes, das uns erinnert: Gott hat sich mit dieser Erde verbunden.
Der Regenbogen überspannt den Himmel nur, wenn die Sonne scheint, es gleichzeitig regnet und die Sonne nicht allzu hoch steht. Der Regenbogen braucht ein besonderes Zusammenspiel von Licht, Luft und Wasser. Deshalb ist der Regenbogen kein alltägliches Ereignis. Aber ein paar Mal im Jahr, besonders an Sommerabenden nach einem Regenschauer kann man ihn entdecken.
Dass es im Universum Leben gibt, ist ein sehr unwahrscheinlicher Zufall, sagen die Wissenschaftler. Es braucht Wasser, es braucht eine bestimmte Temperatur, mithin eine bestimmte Nähe zu einem Stern, es braucht eine Atmosphäre und noch einige andere Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit Leben entsteht. Offensichtlich waren auf einem Planeten namens Erde, der in der Galaxie namens Milchstraße um einen Stern namens Sonne kreist, all diese Voraussetzungen erfüllt.
Damit ein Regenbogen am Himmel sichtbar wird, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein, die nur selten zusammenkommen. Und doch geschieht es hin und wieder. Dass im Universum Leben entsteht, ist viel unwahrscheinlicher als dass auf der Erde irgendwo ein Regenbogen erstrahlt. Und doch ist auch das nicht ganz unwahrscheinlich. Wegen der unglaublich großen Zahl an Sternen im Universum ist es mathematisch durchaus im Bereich des Wahrscheinlichen, dass diese an sich sehr unwahrscheinliche Kombination an Voraussetzungen noch öfter vorkommt. Allein aufgrund von hochgerechneten Wahrscheinlichkeiten gehen Wissenschaftler mittlerweile davon aus, dass es extraterrestrisches Leben gibt.
Nicht wissenschaftlich hochgerechnet, sondern unwissenschaftlich geglaubt wird ein ganz anderes außerirdisches Leben. Man nennt es seit jeher Gott. Alles, was wir von diesem außerirdischen Leben namens Gott wissen, deutet darauf hin, dass es zur Erde und den darauf lebenden Erdenmenschen eine besondere Beziehung hat. Es ist der Erde besonders verbunden. Gott machte mit ihr einen Bund. Später fokussiert Gott den Bund auf Abraham und dessen Nachkommen, auf das Volk Israel, das er erwählt und zum Segen für alle Völker macht. Den ersten Bund aber macht Gott mit Noah und dessen Nachkommen nach der Sintflut, also mit allen Menschen und allen Lebewesen. Gott schloss als erstes einen Bund mit der ganzen Erde, mit allem Leben auf diesem Planeten Erde.
Wir können nachvollziehen, dass die Menschen früher mit ihrem begrenzten Horizont die Erde für den Mittelpunkt des Universums hielten. Mit unserem heutigen, um Lichtjahre geweiteten Blick aber scheint diese Annahme vermessen. Viel sachgemäßer erscheint uns heute diese Vorstellung: Wir leben auf einem Planeten in einer Provinz irgendwo am Rande des Universums, auf dem der Zufall die Elemente Wasser, Luft, Licht und einiges andere so zusammenbrachte, dass auch auf diesem Provinzplaneten das Leben entstand. Eine wiederum durch viele Zufälle entstandene Lebensform nennt sich Mensch. Der Mensch als Lebensform ist einerseits eine hochgradig organisierte Ansammlung von Materie, andererseits hat er ein Bewusstsein seiner selbst, ist in der Lage, über sich nachzudenken, hat also Geist. Er denkt zum Beispiel in langen Winternächten kurz vor Weihnachten darüber nach, warum wir leben. Über so etwas denken Menschen nach, weil sie Geist haben und weil noch rasch eine Seite dieser Gemeindezeitung zu füllen ist, bevor sie in den Druck geht, und ein zufällig ausgewählter Bibelspruch davon erzählt, dass Gott den Regenbogen als Zeichen seines Bundes mit der Erde an den Himmel gesetzt habe.
Es sind sehr viele Zufälle, die mitspielen müssen, damit Leben auf einem Planeten entsteht und damit auf diesem Planeten ein Regenbogen steht und geistvolle Lebensformen sich beim Anblick des Regenbogens oder beim Lesen einer Bibelstelle fragen: Warum leben wir eigentlich? Das Hochrechnen von Zufällen führt zwar zu einer Wahrscheinlichkeitsaussage über außerirdisches Leben. Aber zu Gott führen die Hochrechnungen nicht.
Für Gott und von Gott sprechen allein die Geschichten, die wir Menschen von ihm erzählen und die in der Bibel festgehalten wurden, damit wir sie auch heute noch erzählen können. Wir Menschen schöpfen unsere Welt- und Lebensdeutung nicht nur aus Zahlen und Berechnungen. Wir schöpfen sie auch aus Geschichten, Erzählungen und Erinnerungen. Was würde uns noch von einem Computer unterscheiden, wenn wir unsere Welt- und Lebensdeutung allein auf Algorithmen begründeten?
Der Mensch bleibt Mensch, so lange er sich neben der wissenschaftlichen Welt- und Lebensdeutung auch noch die poetische und religiöse gefallen lässt. Unbestreitbar ist die physikalische Erklärung des Regenbogens: Er ist eine Brechung des Sonnenlichtes durch Wassertropfen. Geistreicher aber und hoffnungsvoller ist seine biblische Deutung: Der Regenbogen ist das Zeichen des Bundes, den Gott mit unserer vielleicht nicht einmaligen, aber doch einzigartigen Erde geschlossen hat. Er wird sie nicht im Stich lassen. Jürgen Kaiser