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Monatsspruch für Februar vom 01.02.2017

Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus! (Lukas 10,5)

Ein Arzt macht einen Hausbesuch, wenn ein Patient nicht mehr alleine in die Praxis kommen kann. Der Schornsteinfeger kommt regelmäßig zu einem Wartungsbesuch, um die Gastherme zu überprüfen. Der Staubsaugervertreter (wenn es ihn denn überhaupt noch gibt) klopft an, um sein neustes Produkt vorzustellen.
Zu den Aufgaben von Pfarrerinnen und Pfarrern gehört es auch, Besuche zu machen. Nicht alle Menschen mögen das.  Dem Arzt oder dem Schornsteinfeger muss man die Tür öffnen. Aber dem Pfarrer oder der Pfarrerin kann man sagen, es passt mir nicht. Die Wohnung ist die Privatsphäre, die man nicht mit allen teilen möchte.  Ich kann verstehen, dass das nicht alle mögen. Deshalb  empfinde ich es als Privileg, wenn Menschen, die ich noch nicht oder kaum kenne, ihre Tür öffnen und mich bei sich zuhause empfangen. Jedes Haus, jede Wohnung erzählt etwas über die Personen, die dort wohnen. Die Einrichtung, die Bilder an den Wänden, das Knarren der Dielen, aufgeräumte oder unaufgeräumte Ecken, Blumen auf dem Tisch, Katzen in einem Korb, Kinderspielzeug auf dem Boden, helle oder dunkle Möbel. Ich freue mich, auch auf diese Weise etwas über die Bewohner zu erfahren. 
Oft sind es Geburtstagsbesuche oder Krankenbesuche, Besuche anlässlich eines Tauf- oder eines Beerdigungsgesprächs. Es braucht jedoch keinen besonderen Anlass für einen Besuch eines Pfarrers oder einer Pfarrerin. Das ist anders als bei allen anderen Berufsgruppen, die Besuche machen.
Jesus hat seine Jünger ausgesandt, um die frohe Botschaft vom Reich Gottes den Menschen zu verkündigen. Und er hat ihnen mit auf den Weg gegeben: Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Frieden diesem Haus! In dieser Aufforderung verbirgt sich Gottes unvoreingenommene Zuwendung gegenüber allen Menschen. Und so wie Gott allen Menschen Frieden schenkt, so sollen auch die Jünger sich den Menschen unvoreingenommen zuwenden. Das Haus und seine Bewohner sollen nicht zunächst beobachtet, kontrolliert und beurteilt werden. Der Friedensgruß soll allen gelten.
Ich finde, der Vers von Lukas kann eine schöne Beschreibung des Sinns und Zwecks von Besuchen von Pfarrerinnen und Pfarrern sein. Wir kommen unvoreingenommen und offen, um dem Haus Frieden zu wünschen. Meike Waechter