Zur Textversion

Monatsspruch für Februar vom 01.02.2019

Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. (Römer 8,18)

„Die Hoffnung stirbt zuletzt!“ Ich habe diesen Satz schon oft gehört. Jedes Mal klang er verzweifelt, so, als sei sie in Wahrheit längst gestorben. Dass die Hoffnung zuletzt stirbt, sagt ja vor allem, dass auch sie stirbt. Vielleicht zuletzt, wenn wir sterben, vielleicht auch schon vorher. Manchmal stirbt die Hoffnung schon mitten im Leben. Wie kann man leben, wenn alles in einem gestorben ist und zuletzt auch noch die Hoffnung?
Hoffnung ist ein Lebensmittel. Wie Reis und Brot, wie Wasser und Luft. Allerdings kann man Hoffnung nicht anfassen und kaufen, nicht essen, trinken und atmen. Hoffnung ist ein ideelles Lebensmittel, wie Glaube und Liebe. Über die Liebe redet man viel, nicht nur in der Kirche. Über den Glauben redet man hin und wieder, vor allem in der Kirche. Aber über die Hoffnung zu reden, ist schwer. Über die Liebe kann man aus eigenem Erleben reden, über den Glauben aus eigener Erfahrung, aber um über die Hoffnung reden zu können, braucht man eine Aussicht. Und die muss gut sein. Um Hoffnung schöpfen zu können, muss man in der Lage sein, sich in einer Zukunft zu sehen, die besser ist als die  Gegenwart.
Oft sind wir ziemlich schlecht darin, jemanden zu trösten und Hoffnung zu machen. Uns fehlen die Aussichten und mit den Aussichten auch die Worte. Mehr als ein unbeholfenes „Alles wird gut!“ kommt uns meist nicht über die Lippen.
Der Apostel Paulus ist ein Hoffnungskünstler. In fast allen seinen Briefen gibt es Passagen, in denen er sich wortreich in glänzende Aussichten steigert. So auch im 8. Kapitel seines Briefes an die Römer. Da nennt er die Christen Kinder Gottes. Kinder werden zu Erben. Kinder Gottes werden Erben Gottes. Und Miterben Christi. Wie Christus von Gott durch die Auferstehung von den Toten das Leben geerbt hat, so werden auch wir das Leben erben.
Das sind die glänzenden Aussichten. Sie versetzen den Apostel in eine fast euphorische Stimmung, die in die bekannten hymnischen Jubel münden: „Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.“ (Röm 8,38-39)
Hoffnung ist die Gewissheit, nicht verloren zu gehen - niemals. Und deshalb stirbt auch die Hoffnung, die sich auf Gott richtet, nie.

Jürgen Kaiser