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Monatsspruch für Dezember vom 01.12.2017

Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. (Lukas 1,78-79)

Was für eine schöne Ankündigung! Ein aufgehendes Licht aus der Höhe wird uns besuchen. Auf diesen Besuch freu ich mich.
Je älter ich werde, desto größer wird meine Sehnsucht nach Licht. Ich leide daran, dass es so früh dunkel wird. Die Zeitumstellung Ende Oktober macht einem immer brutal deutlich, dass jetzt der Winter kommt und mit ihm diese nicht enden wollende Dunkelheit. Ich frage mich, wie die Menschen in Skandinavien das überhaupt aushalten.
Im Advent zähle ich die Tage bis Weihnachten. Nicht wie früher um die Spannung bis zu dem Tag aushalten zu können, an dem es die Geschenke gibt, sondern aus Ungeduld bis zu dem Tag, an dem ich mir sagen kann: Ab jetzt werden die Tage wieder länger. Die vielen Lichter und Kerzen, die in der Advents- und Weihnachtszeit angezündet werden, sind kaum ein Ersatz für das fehlende Licht der Sonne.
Nicht von ungefähr hat die frühe Christenheit das Weihnachtsfest in die Zeit der Wintersonnenwende gelegt. Die Hoffnung auf den Erlöser bringt in vielen biblischen Texten die Verheißung von Licht mit sich. So auch deutlich in dem Wort aus dem Lukasevangelium, das als Monatsspruch ausgewählt wurde. Es ist aus einem Psalm, den Zacharias betet, nachdem seine betagte Frau Elisabeth einen Sohn bekommen hat, dem sie den Namen Johannes gab und nicht den Namen seines Vaters Zacharias, wie es die Nachbarn und Verwandten wollten. Zacharias hörte auf seine Frau und konnte ab da wieder sprechen. Was will der Evangelist uns damit sagen? Und weil ihm wieder so sehr nach Sprechen und Gott-Loben zumute war, sang er Gott einen Lobgesang, der auch eine Prophezeiung für seinen Sohn war. Der nämlich werde ein Prophet sein und dem den Weg bereiten, der wie die aufgehende Sonne ist, weil in ihm Gottes Erbarmen zu uns kommt.
Die langen Winternächte haben auch ihr Gutes: Man kann das erste Kapitel des Lukasevangeliums lesen und die verschlungenen Pfade nachspüren, in denen sich die Geburt des Heilandes anbahnt, die Erzählung von der zu alten Elisabeth, die dann doch noch ein Kind kriegt: Johannes; und von der zu jungen Maria, die auch schon ein Kind kriegt: Jesus. Es sind wunderbar erzählte Geschichten darüber, wie Gott sich seinen Weg zu uns Menschen bahnt, über verschlungene Pfade, gegen viele Widerstände, trotz aller Unwahrscheinlichkeiten, Zweifel und Sprachlosigkeiten hindurch - all das hat Lukas schon in die Vorgeschichte gepackt. Man kann das jedes Jahr in den langen Nächten des Advents lesen und jedes Jahr Neues entdecken.
Und an Weihnachten wird uns das aufgehende Licht aus der Höhe besuchen und unsere Füße wieder auf den Weg des Friedens richten. Und wenn das geschieht, dann werden die Tage wieder länger und die Welt wird wieder heller. Jürgen Kaiser