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Monatsspruch für April vom 01.04.2018

Jesus Christus spricht: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
(Joh 20,21)

Als er verhaftet wurde, sahen sie ihn das letzte Mal. Dann versteckten sie sich. Als er gekreuzigt wurde, blieben sie in ihrem Versteck. Die Hinrichtung war öffentlich, die Frauen waren da, die Männer blieben zu Hause und unter sich. Auch als er begraben wurde, blieben sie unter sich. Das haben die Frauen gemacht. Die haben dann auch entdeckt, dass das Grab leer war. Die Männer blieben unter sich und wussten nicht, was sie denken, was sie fühlen, was sie glauben und was sie hoffen sollten.
Wer immer nur unter sich ist und unter seinesgleichen bleibt, den erreichen die fantastischen Neuigkeiten nicht, die plötzlich umlaufen. Die Türen sind verschlossen, die Herzen eng, die Hirne dicht. Nachdem Maria Magdalena den Jüngern erzählte, dass sie Jesus gesehen, ihn zwar erst für den Friedhofsgärtner gehalten, ihn aber in dem Moment erkannt habe, als er sie mit Namen ansprach, da blieben die Türen immer noch verschlossen (Joh 20,11-19). Aus Angst vor den Juden hätten sie sich eingeschlossen. Aus Angst vor Anklage und Verhaftung, vielleicht auch aus Mutlosigkeit und Enttäuschung - wer sich verschließt, hat immer viele Gründe.
In diese verschlossene Männergesellschaft dringt Jesus ein. „Friede sei mit euch“, sagt er. Er sagt es zweimal. Er zeigt ihnen die Wunden an seinen Händen und der Seite. Und dann sendet er sie. Sie sollen jetzt hinausgehen und die Welt für Gott begeistern. Sie haben jetzt eine Mission.
Die Begegnungen des Auferstandenen erst mit Maria Magdalena im offenen Garten und dann mit den Jüngern hinter verschlossenen Türen stehen im Johannesevangelium im großen Kontrast zueinander. Maria geht raus, die Jünger bleiben unter sich. Maria weint, die Jünger haben Angst. Auf Maria kann Jesus direkt eingehen und fragen, warum sie weint und wen sie sucht. Die verängstigten Jünger muss er erst einmal beruhigen und ihnen zweimal Frieden wünschen. Maria muss von Jesus nur mit Namen angesprochen werden und schon erkennt sie ihn, den Jüngern muss er seine Wunden zeigen, um sich zu legitimieren. Die Begegnung mit Maria ist zart und einfühlsam, die Begegnung mit den Jüngern dagegen drastisch, fast gewaltsam.
Wie es Frauenfilme und Männerfilme und Frauenbücher und Männerbücher gibt, so gibt es offenbar auch ein Frauenostern und ein Männerostern. Das eine ist zart, einfühlsam und seelsorgerlich, das andere kräftig, resolut und missionarisch. Ich gestehe, dass ich mehr Sympathien für den ersten Typ hege. Aber man darf die drastischere Dimension von Ostern nicht geringschätzen. Oft genug muss Christus unsere Verschlossenheit mit einer gewissen Eindringlichkeit aufbrechen. Und viele brauchen erst einmal eine Aufgabe, bevor sie glauben, und eine Mission, um zu realisieren, wie lebendig Jesus Christus ist. Jürgen Kaiser