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Gemeindeleitung

Die Französische Kirche hat sich 1791 in den Reglements eine Ordnung gegeben, die bis heute in Geltung ist. Die Reglements geben der Gemeinde eine Struktur und schreiben die relative Autonomie der Französischen Kirche innerhalb der Landeskirche (EKBO) fest. Das aus berufenen Gemeindemitgliedern (Anciens / Anciennes) und den Pfarrern zusammengesetzte Consistorium leitet die Französische Kirche. Das Consistorium kommt jeden zweiten Mittwoch im Monat zur Generalversammlung zusammen. In nicht öffentlicher Sitzung werden vor allem finanzielle und personelle Angelegenheiten beraten. Vier mal im Jahr kommt das Consistorium in öffentlicher Sitzung als Mittwochsconsistorium zusammen, um die Gemeindearbeit zu beraten und zu planen. Die Schwerpunktthemen des Mittwochsconsistoriums sind: Jahresplanung, Gottesdienst und Liturgie, Kinder-, Jugend- und Konfirmandenarbeit, Diakonie und Mitgliederpflege. In der Regel im September wird die Gemeindeversammlung einberufen. Sie nimmt Berichte entgegen und entscheidet über wesentlich Belange, die ihr vom Consistorium vorgelegt werden. Die zur Zeit 18 Mitglieder de Consistorium (Compagnie) werden für in der Regel 6 Jahre berufen, können aber wiederberufen werden. Die Pfarrer wechseln sich nach jeder Sitzung der Generalversammlung im Amt des Modérateurs ab, der mit dem von der Generalversammlung bestimmten Secrétaire die Geschäftsführung übernimmt. Secrétaire, Trésorier und der Secrétaire der Bau- und Finanzkommission überwachen die von der Landeskirche unabhängige Finanzverwaltung der Französischen Kirche. Die Arbeit der Generalversammlung wird von folgenden Kommissionen vor- und nachbereitet: Bau- und Finanzkommission, Kommission für das Gemeindeleben, Kirchhofskommission und Kommission für Museum, Bibliothek und Archiv.

Aus der Generalversammlung vom 13. Juni

Lottostiftung unterstützt Neugestaltung des Hugenottenmuseums
Die Sitzung begann mit einer kurzen Andacht und dem gemeinsamen Lesen von Psalm 91. Traditionell folgen dann die Berichte der Pfarrer, des secrétaire und der Commissionen. Diese Berichte standen im Mittelpunkt der letzten Sitzung.
Zunächst konnte Pfarrer Kaiser berichten, dass die Lottostiftung die Neugestaltung unseres Hugenottenmuseums nennenswert unterstützen wird. Damit kann nun die Arbeit an der Ausstellung beginnen. Die Wiedereröffnung des Museums ist zum Refugefest 2019 geplant. Mit dieser Unterstützung und bereits gesammelten Mitteln wird es möglich sein, eine moderne, interessante und den heutigen konservatorischen Ansprüchen genügende Ausstellung zu erstellen.
Weiterhin informierte uns das Bezirksamt Mitte, dass die Bauarbeiten im Französischen Dom gut vorangehen und uns die Räume ab April 2019 zur Verfügung stehen werden. Dann werden Bibliothek und Archiv wieder zugänglich, die Pfarrer und die Verwaltung können die neuen Büros beziehen, wir erhalten eine vergrößerte Museumsfläche und mit der ehemaligen Weinstube einen großen und schönen Gemeindesaal. Dafür sind wir dankbar.
Auch die Sanierung unserer Französischen Friedrichstadtkirche, die ab Frühjahr 2020 geplant ist, wird konkreter. Die Landeskirche wird unserer Gemeinde ein modernisiertes Kirchengebäude zum Ende des Pachtvertrages 2023 übergeben. Nun liegt dafür die Baugenehmigung vor. Die Landeskirche verhandelt zur Teilfinanzierung des Baus ein Darlehen, das aus den Einnahmen des Veranstaltungsmanagements bedient werden soll. Unsere Gemeinde wird in dieses Darlehen ab 2023 eintreten, wenn uns diese Einnahmen zur Verfügung stehen. Ein erster Vertragsentwurf wurde beraten. Sobald dieser verhandelt ist, wird die GV darüber befinden und die Angelegenheit der Gemeindeversammlung zur Entscheidung vorlegen.
Weiterhin berichtete der Trésorier Herr Altmann über die planmäßige Entwicklung der Gemeindefinanzen. Insbesondere die Entwicklung unserer Häuser ist positiv. Wir konnten Wohnungen an Gemeindemitglieder und an syrische Christen vermieten.
Die Generalversammlung befasste sich auch mit der neuen Datenschutzgrundverordnung. Die wichtigsten Maßnahmen, wie z.B. Kennzeichnung unserer Webseiten, wurden umgesetzt. Die GV wird sich damit weiter befassen.
Zum Ende konnten wir drei Aufnahmeanträge bewilligen. Die neuen Gemeindemitglieder können Sie schon auf dem Domfest kennenlernen. Wir sind sehr dankbar für die steigende Anzahl an Taufen und Eintritten in unsere Gemeinde.  Stephan Krämer

Aus dem Mittwochsconsistorium

Wie wir Sie erreichen
Gibt es in unserer Gemeinde ein lebendiges Miteinander? Schenken wir einander Aufmerksamkeit und Interesse? Pflegen wir Kontakte und Verbundenheit untereinander? Fühlen Sie sich ausreichend informiert? Dies alles gehört zu dem Schwerpunktthema, über das wir unter dem etwas sperrigen Begriff „Mitgliederpflege“ im letzten Mittwochsconsistorium gesprochen haben.
Eine entscheidende Bedeutung kommt der „Hugenottenkirche“ zu, die informiert und Verbundenheit herstellt auch zu den Gemeindemitgliedern, die nicht aktiv am Gemeindeleben teilnehmen (können). Eine deutliche Verbesserung der Kommunikation zwischen Consistorium und Gemeinde wurde durch die vor Jahren eingeführten Berichte aus der Generalversammlung und dem Mittwochsconsistorium erreicht.
Mit persönlichen Einladungen werden Gemeindemitglieder auf Veranstaltungen aufmerksam gemacht und zur Teilnahme und zum Mitmachen ermuntert. So erhalten alle Gemeindemitglieder eine Einladung zur Gemeindeversammlung; bestimmte Gruppen werden eingeladen, z. B. Familien mit Kindern zum Familientreffen, Eltern mit Kindern im Konfirmandenalter, Jugendliche zu besonderen Anlässen, goldene Konfirmandinnen und Konfirmanden u. a. Geburtstagsbriefe werden zu den runden Geburtstagen verschickt, ab dem Alter von 65 Jahren dann jährlich mit einer Einladung zum Geburtstagskaffee; ab dem 80. Geburtstag wird den Jubilaren, wenn sie es möchten, persönlich gratuliert.
Auch Gemeindemitglieder, die einen Lebensabschnitt erreicht haben, in dem für viele Menschen der Wechsel vom Berufsleben in den „Ruhestand“ eine Neuorientierung erfordert, werden persönlich angeschrieben und eingeladen, am Gemeindeleben teilzunehmen und vielleicht hier eine neue Aufgabe zu finden.
Um die Wertschätzung und den Respekt für die vielen ehrenamtlich Tätigen, die häufig unermüdlich und in der Stille ihre Arbeit tun, zum Ausdruck zu bringen und deren Bedeutung zu betonen, wird alle zwei Jahre ein Ehrenamtlichen-Danke-Fest gefeiert.
Um neuen Gemeindemitgliedern außer durch das Aufnahmegespräch Orientierung in der Gemeinde zu geben und zu helfen, sich schneller zurechtzufinden und bei uns zuhause zu fühlen, haben wir im letzten Jahr eine Begrüßungsmappe zusammengestellt; sie enthält Informationen über Herkommen und den aktuellen Status der Hugenottengemeinde, die vier Orte, zum theologischen Profil, zu Gottesdienstordnung und Liedern, den Veranstaltungen (Gottesdienste, Feste, Kirchenmusik, Gemeindegruppen), zum ehrenamtlichen Engagement, zu Ordnungen und Strukturen, Steuer- und Finanzhoheit u. v. m.
Alle zwei Jahre feiern wir einen Willkommensnachmittag, bei dem die in dieser Zeit neu Hinzugekommenen noch einmal begrüßt und vorgestellt werden, alte und neue Gemeindemitglieder sich kennenlernen und Erfahrungen austauschen können.
Der zweite Schwerpunkt dieses Mittwochsconsistoriums galt der eng mit der Mitgliederpflege verbundenen Öffentlichkeitsarbeit, die bei uns zum Teil in der Citykirchenarbeit besteht. Frau Dr. Weniger, bei uns für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich, berichtete, dass auf der diesjährigen Konferenz des Netzwerks Citykirchenarbeit, in dem 120 Citykirchenprojekte Deutschlands zusammengeschlossen sind, zum Ausdruck kam, dass es den Citykirchen derzeit darum geht, Angebote für Einzelne zu machen, also einen Rahmen zu schaffen, um ins Gespräch zu kommen (z. B. Gesprächscafé, offene Kirche), zu meditieren, Seelsorge anzubieten. Dazu werden Ehrenamtliche geschult in Kommunikation und Gesprächsführung.
Für unsere Ehrenamtlichen der offenen Kirche könnte es interessant sein, an einer derartigen Schulung vom Amt für kirchliche Dienste teilzunehmen. Das Mittwochsconsistorium und Frau Dr. Weniger kamen überein, dass sie eine Referentin einlädt, die die an der offenen Kirche Beteiligten über Möglichkeiten und Ziele eines solchen Angebots informiert.
Frau Dr. Wenigers Vorschlag, die Zeit bis zum Baubeginn und während der Umbauphase der Französischen Friedrichstadtkirche zu nutzen, um Angebot, Programm und Aktivitäten der Öffentlichkeitsarbeit zu evaluieren und daraus folgernd evtl. neue Formen zu entwickeln, fand große Zustimmung. Zusammen mit Frau Unruhe wird sie den Reflektionsprozess vorbereiten und einleiten.
Das nächste Mittwochsconsistorium wird erst im November stattfinden, aber wenn Sie Anregungen, Kritik oder Anliegen haben, sprechen Sie die Consistoriumsmitglieder gerne vorher schon an oder schreiben Sie an Mittwochsconsistorium[at]franzoesische-kirche.de, ich freue mich auf Ihre Reaktionen. Christiane Struck

Die Reglements der Französischen Kirche und ihre Überarbeitung


Nach mehrjährigen Vorarbeiten legt das Consistorium der Französischen Kirche zu Berlin der Gemeindeversammlung (früher: Familienhäupterversammlung) eine überarbeitete Fassung der Reglements vor. Es ist dies die erste grundlegende Überarbeitung seit der schriftlichen Fixierung der Reglements Ende des 18. Jahrhunderts.
Am 7. März 1791 hat die Familienhäupterversammlung Reglements für die Compagnie des Consistoriums der Französischen Kirche zu Berlin entgegengenommen. Schon 1778 hatte eine Commission begonnen, einzelne Ordnungen zu sammeln. Ab 1783 machte sich eine dreißigköpfige Commission ernsthaft an die Arbeit. Drei Jahre später wurde wieder eine nun etwas kleinere Commission gebildet, um noch die Punkte zu lösen, für die die vorherige Commission keine einvernehmliche Lösung finden konnte. Diese Arbeit zog sich bis 1791 hin.
In Anbetracht der langwierigen und nicht ganz glücklichen Geburtswehen kann man verstehen, dass in den folgenden Jahrhunderten bis heute notwendig erscheinende Änderungen an den Reglements nur vorsichtig vorgenommen wurden. Diese sind in der 1876 veröffentlichten deutschen Übersetzung der Reglements vermerkt worden, die inzwischen notwendig geworden war und den allgemeinen Sprachwechsel innerhalb der Gemeinde vom Französischen ins Deutsche dokumentiert. Änderungen nach 1876 wurden zwar protokolliert, nicht aber systematisch erfasst. In der überarbeiteten Fassung sind sie nach Möglichkeit berücksichtigt.
Obwohl die Französische Kirche zu Berlin im Lauf von über zwei Jahrhunderten alle ihre diakonischen und pädagogischen Institute abgeben oder schließen musste und obwohl sie ihre Beziehungen sowohl zur Evangelischen Kirche als auch zum Staat in seinen verschiedenen Gestalten (Monarchie und unterschiedliche Republikformen) jeweils neu regeln musste, hat sie es vermieden, die Reglements den neuen Gegebenheiten anzupassen.
Nicht in erster Linie deshalb, weil die meisten Reglements mit dem Verlust der sie betreffenden Einrichtungen obsolet geworden sind, sondern vor allem darum, weil einige der noch angewandten Reglements unklar oder schwer zu handhaben waren, wurde die jetzt vorgelegte Überarbeitung notwendig. So mussten z.B. schon vor einiger Zeit das Verfahren zur Berufung der Anciens und Anciennes in das Consistorium und die Richtlinien zur Pfarrwahl präzisiert werden. Pfarrer i.R. Tilman Hachfeld hat in mühevoller Kleinarbeit eine Rohfassung der Überarbeitung vorgelegt, die dann von einer Arbeitsgruppe des Consistoriums in drei Jahren durchgesehen wurde. Zu dieser Arbeitsgruppe gehörten außer Pfar-rer Tilman Hachfeld noch Pfarrerin Meike Waechter, Pfarrer Dr. Jürgen Kaiser, sowie die Anciens Herr Wolf-Rü-diger Bierbach (Secrétaire), Herr Daniel Er-man (Secrétaire des Diaconats) und zeitweise Frau Gisela Maresch-Zilesch und Frau Olga Venter-Mex.
In der nun vorliegenden Überarbeitung sind alle Passagen ausgelassen, die sich auf Institutionen der Französischen Kirche zu Berlin beziehen, die es nicht mehr gibt (Hospital, Kinderhospital, Waisenhaus, École de Charité, Hôtel de Refuge, Maison d'Orange, Collège, theologisches Seminar, Armenbäckerei, Marmite). Allein dies erklärt, warum die überarbeitete Fassung so viel kürzer ausfällt als die deutsche Fassung von 1876.
Für die noch bestehenden Leitungsgremien der Französischen Kirche zu Berlin (Gemeindeversammlung, Generalversammlung, Mittwochsconsistorium, Diaconat und Commissionen) wurden die Reglements in der Fassung von 1876 soweit als möglich übernommen. Aber auch hier mussten einzelne Bestimmungen, die nicht mehr im Gebrauch sind, weggelassen bzw. durch neue ersetzt werden. Außerdem stellt die Überarbeitung die Bestimmungen in einer anderen, heute einleuchtenderen Systematik zusammen: Zunächst werden die Gremien behandelt: Gemeindeversammlung, Generalversammlung, Mittwochsconsistorium und Diaconat. Dann folgen die Geschäftsordnungen, dann die Wahl- und Berufungsordnungen und die Reglements, die die finanziellen Angelegenheiten betreffen. Die Überarbeitung schließt mit allgemeinen Bestimmungen zum Schutz der Reglements.
Das Consistorium hat sich bewusst dafür entschieden, die alten Reglements nicht durch neue zu ersetzen, sondern sie durch eine Durchsicht und Überar-beitung an die heutigen Erfordernisse anzupassen. Dies geschah nicht nur im Hinblick darauf, dass die Reglements durch die Grundordnung der Ev. Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (Art. 37, Abs. 3) in ih-rem Bestand garantiert werden. Vor allem wurde diese Entscheidung von der Überzeugung geleitet, dass die alten Reglements nicht allein sinnvolle und bewährte Richtlinien enthalten, sondern auch die Grundsätze reformierten Gemeindeverständnisses, wie sie vor allem von Jean Calvin formuliert worden sind, in gelebte Praxis umsetzen. So nahmen von Anfang an die Ältesten in verschiedenen Ämtern kirchenleitende Aufgaben wahr. An keiner Stelle gehen die Reglements von einem Gegenüber von Pfarrer und Ältesten aus; vielmehr sind die Pastoren und Pastorinnen („Prediger“) in die Compagnie des Consistoriums integriert. Gerade dieser reformierte Geist der Reglements bestärkt uns in der Zuversicht, dass die Französische Kirche zu Berlin mit ihren „ehrwürdigen“ Reglements auch in Zukunft eine lebendige Gemeinde sein wird.
Die vorliegende Überarbeitung der Reglements ist also als eine Anpassung der bestehenden Reglements an die heutigen Gegebenheiten zu verstehen. Sie setzt kein neues Recht, sondern bewahrt den Geist und den Buchstaben der alten Reglements. Dies führt in der Überarbeitung zu einem Nebeneinander von alten und neuen Textabschnitten. Man wird dies beim Lesen am unterschiedlichen Stil erkennen. Die alten Passagen fallen durch ihre etwas umständliche Art auf, während die neueren am heute üblichen, nüchterneren Stil erkannt werden. Die stilistische Uneinheitlichkeit ist der Preis des Prinzips, so viel als möglich zu erhalten und nur so viel wie nötig zu erneuern.
Mit der Überarbeitung der alten Reglements drückt das Consistorium die Überzeugung aus, dass die Französische Kirche zu Berlin im lebendigen Umgang mit ihrem Erbe eine solide Basis für eine segensreiche Zukunft findet.  JK