Sie sind hier:

Monatsspruch

Predigten

Suchen nach:

Allgemein:

Startseite

Hugenottenmuseum

Asyl in der Kirche

Geschichtliches

Kontakt

Musik

Links

Bildergalerie

Sitemap

Impressum

Haftungsausschluss

Von A-Z

Hochgeehrtes Fräulein!

Da es mir von oben herab verordnet ist, den 13. Juli in der Ferne zu feiern, so erlauben Sie mir wohl, dass ich Ihnen schon heute zu dem bevorstehenden wichtigen Schritt in wenigen aber herzlichen Worten meine aufrichtigen Glückwünsche darbringe. Es ist allerdings ein entscheidender, aber für die, die sich lieb haben, kein ängstlicher Schritt. Darum antwortete auch eine Confirmandin auf die Frage des Pf. Superintendent Propst Albrecht in Angermünde: „Was ist die größte Seligkeit?” getrost und in ahnungsvoller Zuversicht: „das Heiraten”

Die tiefe Einsicht in das Wesen der sich selbst verleugnenden hingabe- und opferwilligen, mehr im Geben als im Nehmen sich selig fühlenden christlichen Liebe, die dieser Einsicht zu Grunde liegt, hat mich in Verwunderung gesetzt und mich vor dem Lehrer jener Schülerin, den auch Sie nun bald zur Ihrer Freude kennenlernen werden, mit unerschütterlicher Ehrfurcht erfüllt. Dennoch leidet die Antwort offenbar noch an einer gewissen, bei einer Confirmandin verzeihlichen Unbestimmtheit. Sie würde viel bestimmter und für den Superintendenten verblüffender gelautet haben: “Einen Prediger zu heiraten”.
Es gibt in der Tat keine glücklicheren Frauen als liebende und geliebte Pfarrfrauen, und es ist von größter Wichtigkeit für die ganze Menschheit, dass diese Thatsache nicht das Geheimnis einzelner unnütziger Seelen bleibe, sondern immer mehr zu allgemeiner Kenntnis und Anerkennung gelange. Wenn nicht bloß einzelne gläubige Prediger, gläubige oder adelige Seelen aus dem Mittelstande oder dem höheren Adel, sondern alle Klassen der menschlichen Gesellschaft zur Erkenntnis des unbeschreiblichen Glücks der Seligkeit der evangelischen Pfarrfrauen gelangt sein werden, dann werden große Dinge geschehen und Opfer aller Art gebracht werden, dann wird es dem Oberkirchenrat leichter werden, neue Pfarrstellen zu begründen und nie geahnte Erfolge zu erzielen.

Nur Pfarrfrauen haben Männer, die allen für die Zukunft besorgten assekuranzlustigen Herzen innigste Garantie bieten; Männer, die schon von Amts wegen nicht pochen und unehrliche Handthierung treiben oder eigensinnig haderhart und zornig werden dürfen, sondern gütig, gelinde und treu sein müssen, damit sie nicht dem Lästerer ins Urtheil fallen, von dem Himmel und Erde verlangen, dass sie in jeglicher Beziehung mit einem guten Beispiel vorangehen und also auch die Frau jederzeit im Herzen und auf Händen tragen, und denen eine ganze Gemeine controllierend nachschaut und selbst bei großen Schwierigkeiten aufmunternd zuruft: „Der Bien muß!”

Eine solche von einem Controllierten im Herzen und auf Händen getragene glückselige Pfarrfrau werden Sie am 13. Juli werden und auch bleiben, wenn Sie dem willigen Träger die Quelle aller Kraft, das Geheimnis des Glaubens und der Liebe, in einem reinen Gewissen bewahren helfen, und so oft er träge oder widerspenstig werden oder verzagen möchte, ihn je nach dem Umständen durch Strafe oder Trost auf dem Wege des Gehorsams und der Treue zu erhalten suchen. Er wird wohl hier und da bei den Lectionen ein saures Gesicht schneiden, aber hinterher jedes Mal Gott danken, dass er die Lection zur rechten Zeit und durch die ihm auf Erden liebste Stimme empfangen hat. In diesem Sinne hat mich meine glückselige Frau nie aus der Curatel entlassen, mit ungeschwächtem Eifer an mir gearbeitet, und sucht noch heute auf 90 Meilen Entfernung [Entfernung Berlin - Königsberg, F.W.] das Mögliche zu leisten, und ich kann aus eigener Erfahrung Ihnen die Versicherung mit auf den Lebensweg geben, dass die Liebe nicht ab- sondern zunimmt, beide Theile sich in dem Herrn lieben und strafen.

Da Sie von Königsberg nicht wissen wollen, sondern verschmähen [Der Gatte der künftigen Pfarrfrau mag dort nicht Pfarrer werden, F.W.] so erlauben Sie mir schließlich, dass ich ein wirkliches, noch Niemandem mitgetheiltes (und auch nur für Sie bestimmtes) Geheimnis heute hier offenbare und in aller Stille Ihnen zur Berichtigung Ihres Urtheiles beweise, wie Königsberg von Ihnen denkt und was es für Sie fühlt: Als der hiesige Steuerinspektor Lorange nach Pfingsten aus Berlin zurückkehrte, erzählte er mir in einer traulichen Stunde, was er in Potsdam und Berlin, und namentlich in Nr. 4 am Werderschen Markt [Wohnung der Fourniers, F.W.] erlebt hatte. Er war keineswegs mit allem zufrieden, er lamentierte über Einen, den ich nicht nennen will, aber eine Rose ohne Dornen hatte er gesehen - und er konnte sie hier noch nicht vergessen! [gemeint ist Fräulein Fournier, F.W.] Von der bloßen Erinnerung begeistert rief er wörtlich aus: „Aber eine hübsche Tochter hat er! Post Blitz, was ist das für ´ne Anstandsdame!”

Und als mir kürzlich der alte Jaquot nach seiner Berliner Reise einen von ihm selbst in einer Salztonne geräucherten Aal brachte (das Recept steht Ihnen für die neue Wirtschaft zu Diensten), und als er die herandrängenden Brummen [Brummer, F.W.], die nach dem Aale lüsterner als ich waren, aus meiner Stube für seine Nachtigallen wegfing und in die Westentasche steckte, und als die in die Westentasche gesteckten Brummen ihm immer wieder aus der Tasche hervorkrochen, um sich noch einmal fangen zu lassen, da sprang der muntere Fliegenfänger und uralte Wittwer beim Abfangen der Brummen auf einmal von dem geräucherten Aal auf Ihre verehrte Person über und machte über das von Lorange angestimmte Thema allerhand Variationen, von denen ich nun Ihren Theil um Ihretwillen nicht verlauten lasse, weil das Lob viel schwerer zu tragen ist als der Tadel.

Als Ersatz für das verheimlichte Lob will ich Ihnen den unverfänglichen und für eine angehende Pfarrfrau, die doch mit anderen Kirchenvorstehern aller Art umgehen lernen muß, nicht uninteressanten Schluß der Rede des Herrn Jaquot mitteilen.

Als er nehmlich von Ihnen allmählich wieder auf den geräucherten Aal übergegangen war und sich seine Gedanken auf das Frühstück im allgemeinen fixiert hatten, schloß er mit erhobener Stimme und einer für mich rätselhaften Weise: „Herr Prediger, ego ergo. Dies ist bei mir feststehende Regel: Punkt 10 Uhr vormittags und 6 Uhr abends, mag bei uns sein, wer da will, trink ich mein Schnäpschen. So habe ich es immer gehalten. Davon lasse ich mich durch nichts in der Welt abbringen!”. Hierbei fixierte er mich, um die Wirkung dieses Wortes für ihn und für mich zu beobachten.

Und als nun gar, um auf das ursprüngliche Thema zurückzukommen, mein eigener Mund hier vor kurzem im Hause überging in Betreff der bevorstehenden Ereignisse in Berlin, da hat ein drittes Gemeindeglied, das zwar aus Graubünden stammt, es sich nicht nehmen lassen, eine Übersetzung meiner Glückwünsche ins Materielle, eine Verkörperung meiner Gedanken zu versuchen.

Ein Exemplar dieser Übersetzung, in der ich freilich nur einen matten Ausdruck meiner Gefühle und Wünsche wiedererkenne, wagte ich Ihnen mit der gestrigen Post zu Füßen zu legen. [Dabei dürfte es sich um einen - gerade bei Hochzeiten gern geschenkten - berühmten Königsberger Baumkuchen gehandelt haben, F.W.] Möchte diese Königsberger Schöpfung wenigstens dazu beitragen, die hiesige Gemeine, die an Übersetzungsfähigkeiten sich auszeichnet, Ihnen in einem vorteilhafteren Lichte erscheinen zu lassen.

Indem ich Sie, hochverehrtes Fräulein, in aller Demuth bitte, jedem unnützen Wort um des guten Willens willen Verzeihung angedeihen zu lassen, und die herzliche Zuneigung und die aufrichtigen Wünsche der Königsberger nicht ferner zu verschmähen und mich Ihnen und Ihrem Herrn Bräutigam sowie den verehrten Ihrigen schließlich auf das Angelegentlichste empfehlen, verbleibe ich mit der Versicherung vollkommenster Hochachtung

Ihr gehorsamster Lorenz

Ergänzung am Seitenrand: Auch wenn Coste [der künftige Ehemann, F.W.] hier keine Aussicht haben sollte, Sie würden hier gewählt werden.

Auch der Dankbrief von Auguste Fournier, jetzt verheiratete Coste, liegt noch vor. Sie schreibt aus Gramzow in der Uckermark, dem Dienstsitz ihres Ehemannes Pfr. Coste. Hier ein Auszug:

„Wir sind gar zu glücklich miteinander in unserem allerliebsten Häuschen. Ach, Sie wissen ja, wie hübsch es liegt, und nun ist es noch obenein durch die große Liebe und Sorgfalt meines lieben Mannes ganz umgestaltet worden, was fehlte ist ergänzt worden, was schlecht war ist erneuert worden, was unvollkommen war, ist verbessert worden. Und da leben wir nun in aller Stille in unseren kleinen Paradies so glücklich und zufrieden miteinander, wie wirs uns kaum träumen ließen“. Die Erfüllung ihres Wunsches, dass der „liebe Herr Bruder“ Lorenz bald wieder mit seinen Lieben in Berlin vereinigt sein möge, wird freilich noch 2 Monate auf sich warten lassen.

14.09.  AMOS - unbequemer Prophet  Jürgen Kaiser 
21.09.  MICHA - parteilicher Prophet  Bernd Krebs 
28.09.  ZEPHANJA - Prophet des Zorns  Tilman Hachfeld 
05.10.  JONA - Prophet auf der Flucht vor Gott  Meike Waechter 
12.10.  OBADJA - Warner vor Schadenfreude  Jürgen Kaiser 
19.10.  NAHUM - Prophet der Siegesfreude  Meike Waechter 
26.10.  HOSEA - Prophet eines liebenden Gottes  Jantine Nierop 
02.11.  HABAKUK - Prophet der Gerechtigkeit (Refugefest)  Magdalene Frettlöh 
09.11.  JOEL - Prophet eines eifernden Gottes (70 Jahre Pogromnacht)  Matthias Loerbroks 
16.11  HAGGAI - Prophet des neuen Tempels  Jürgen Kaiser 
23.11.  MALEACHI - Prophet des kommenden Gottes (Ewigkeitssonntag)  Tilman Hachfeld 
30.11  SACHARJA - Prophet der Töchter Zions (Erster Advent)  Sabine Beuter