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Von A-Z

Gott spricht: Suchet mich, so werdet ihr leben. (Amos 5,4)

„Der hat aber mehr bekommen!“ Für Kinder ist schnell klar, wer beim Verteilen des begehrten Vanillepuddings mengenmäßig besser abgeschnitten hat. Ein Blick auf den Dessertteller des anderen genügt - und schon ist er da: der Neid samt dem Gefühl: „Ich will auch!“
Jemanden um dieses “Mehr” beneiden, ist ein alltägliches Thema. Nur die Inhalte unterscheiden sich. Mal ist es das schnellere Auto oder der schlankere Körper, das andere Mal sind es die besseren Kontakte oder die erfolgreicheren Aussichten im Beruf. “Gelb vor Neid” blicken Menschen auf das Gegenüber, werden innerlich zerfressen, machen das “Mehr” des anderen schlecht - und das alles nur, weil das Gefühl sagt: „Ich will auch!“ Es lässt sich auf den Punkt bringen: Neid ist wie ein schleichendes tödliches Gift für jegliche Gemeinschaft und alle Mitmenschlichkeit.
Diese Erkenntnis ist allerdings nicht neu. Schon der Prophet Amos erzählt in der Bibel davon, dass zu seiner Zeit Neid, Betrug und Profitgier verbreitet waren. Menschen gingen regelrecht über Leichen, um sich das zu holen, was sie an “mehr” haben wollten. Darum bekommt Amos den Auftrag von Gott, die Menschen wieder an Seine Zehn Gebote zu erinnern. Wenn es heißt „Du sollst nicht begehren deines nächsten Frau, Knecht, Magd, Vieh und alles, was dein Nächster hat“, so wird hier eine klare Richtung im Umgang mit den Mitmenschen vorgegeben. Wer immer nur das begehrt, was der andere mehr hat und was ihm selbst fehlt, wird seines Lebens nicht mehr froh.
Doch Neid lässt sich nicht einfach ausschalten wie eine Lampe. Das wusste Amos wohl auch. Darum ruft Amos auf: „Suchet Gott, so werdet ihr leben!“ Mit anderen Worten: „Verlass dich darauf, dass du geliebt bist, im Leben und im Tod; verlass dich darauf, dass dir damit Leben geschenkt ist, du musst nicht mehr gelb vor Neid werden!“ Es ist unter uns Menschen nun einmal so und wird wohl auch so bleiben: Der eine hat mehr als ich, die andere kann mehr als ich, ein anderer hat die besseren Beziehungen, hat mehr Glück, ist cleverer, rücksichtsloser ... als ich. „Sei nicht genau so, werde nicht genau so“, sagt Amos, „Leben hängt davon ab, dass Gott dich liebt, egal, was kommt - egal, was dir geschieht. Denn die Liebe Gottes ist stark, stärker sogar als der Tod!“
Die eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten soll man nutzen, um sein Leben zu verbessern, um „voranzukommen“. Aber wenn das nicht gelingt: Die Liebe Gottes ist stärker als jeder Misserfolg!
Das kann dann Gelassenheit geben, nicht mehr “gelb vor Neid“ werden zu müssen, wenn der andere wieder einmal mehr hat als ich. Die folgende Liedstrophe strahlt die neue Kraft aus: „Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich; sooft ich sing und bete, weicht alles hinter sich. Hab ich das Haupt zum Freunde und bin geliebt bei Gott, was kann mir tun der Feinde und Widersacher Rott?“ (EG 351)
Ulrike Miege